<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Kulturlandschaft im Diskurs</title>
	<atom:link href="http://kulturlandschaft.iale.de/?feed=rss2" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://kulturlandschaft.iale.de</link>
	<description>Ein Weblog des Arbeitskreises Kulturlandschaft in der IALE-D</description>
	<lastBuildDate>Thu, 12 Apr 2012 09:57:22 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=abc</generator>
		<item>
		<title>Grund und Boden: Fundamente einer Landschaft</title>
		<link>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=179</link>
		<comments>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=179#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 12 Apr 2012 09:57:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitskreis-Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Landschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kulturlandschaft.iale.de/?p=179</guid>
		<description><![CDATA[Interdisziplinäres Landschaftspleinair, 9. &#8211; 15. Juli 2011 • Oderbruch Veranstalter: Akademie für Landschaftskommunikation e.V. www.oderbruchpavillon.de unterstützt durch: IALE &#8211; D (International Association for Landscape Ecology, Sektion Deutschland) Boden Nährstoff Schadstoff Erde bodenlos Bodenreform bodenständig Schweiß Pflug Bodenbörse Fläche Spekulation Fäulnis Zersetzung Humus Bodenschatz Minen Bodengüte Wurzeln Besitz Feuchtigkeit Fruchtbarkeit Fruchtfolge Ertrag Geschichte Pacht Mineralisierung Devastierung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Interdisziplinäres Landschaftspleinair, 9. &#8211; 15. Juli 2011 • Oderbruch</p>
<p><strong>Veranstalter:</strong><br />
Akademie für Landschaftskommunikation e.V.<br />
www.oderbruchpavillon.de</p>
<p><strong>unterstützt durch:</strong></p>
<p>IALE &#8211; D (International Association for Landscape Ecology, Sektion Deutschland)</p>
<p><a rel="attachment wp-att-156" href="http://kulturlandschaft.iale.de/?attachment_id=156"><img title="Krume" src="../wp-content/uploads/Krume-243x300.jpg" alt="" width="243" height="300" /></a></p>
<p><em><strong>Boden Nährstoff Schadstoff Erde bodenlos<br />
Bodenreform bodenständig Schweiß Pflug<br />
Bodenbörse Fläche Spekulation Fäulnis Zersetzung<br />
Humus Bodenschatz Minen Bodengüte Wurzeln<br />
Besitz Feuchtigkeit Fruchtbarkeit Fruchtfolge Ertrag<br />
Geschichte Pacht Mineralisierung Devastierung<br />
Degeneration Ackerzahl schwer leicht fett<br />
Versiegelung Melioration Segen Salz Schichten Gülle<br />
Flur Krume Scholle Poren Kapillaren Bodenhaftung<br />
Struktur Aufbau Ansprache Regenwürmer Profil<br />
pH-Wert Dreck Leben Blut Grundwasser Horizont</strong></em></p>
<p><strong>Das Thema:</strong><br />
Grund und Boden sind die Fundamente jeder Landschaft. Sie ermöglichen  das Leben im Naturraum und geben die Spielräume für seine Nutzung vor.  Auf dem Boden wird gebaut, er ist Eigentum und Gegenstand harter  Auseinandersetzungen über seine Bewirtschaftung. Eine Vielzahl an  kulturellen Perspektiven ist deshalb auf den Boden gerichtet. Auch in  Fachkreisen ist die Bedeutung des Bodens bekannt und viele Ökologen  gehen davon aus, dass die weltweite Vernichtung fruchtbarer Böden eine  der größten Gefahren der Zukunft darstellt. Gleichwohl wird der Boden im  politischen Diskurs seit Jahrzehnten nur wenig beachtet. Das liegt vor  allem daran, dass die interessanten Dinge an diesem Thema so schlecht  wahrzunehmen sind: Weder das Bodenleben noch die an Grund und Fläche  geknüpften Interessen sind für die menschlichen Sinne leicht zu  erkennen. Ziel des Pleinairs ist es daher, einige der zentralen Fragen,  die mit dem Boden verküpft sind, zu thematisieren, sie sicht- und hörbar  zu machen.</p>
<p><strong>Arbeitsweise:</strong><br />
16 Künstler, Ökologen, Kulturwissenschaftler, Planer und  Landschaftsbauer arbeiten gemeinsam im Oderbruch an der Vielfalt der  Perspektiven zum Thema Grund und Boden. Verschiedenste Materialien,  Daten und Informationen werden genutzt und verknüpft.<br />
Die Ergebnisse werden auf einem Stück Ackerland im Oderbruch in Form  einer Freiluftinstallation gestaltet und öffentlich präsentiert.</p>
<p><strong>Teilnehmer:</strong><br />
Dr. Kenneth Anders | Landschaftskommunikation | Oderbruch<br />
Lars Fischer | Landschaftskommunikation | Eberswalde<br />
Jens Kleber | Garten- und Landschaftsarchitektur | Berlin<br />
Anne Kulozik | Landschaftsentwicklung | Osnabrück<br />
Helmut Lemke | sound art | Lancashire, GB<br />
Prof. Dr. Roman Lenz | Landschaftsökologie | Nürtingen<br />
Prof. Dr. Felix Müller | Landschaftsökologie | Kiel<br />
Kerry Morrison | Environmental Art | Lancashire, GB<br />
Antje Scholz | Installation, Grafik, Malerei | Oderbruch<br />
Klaus Scholz | Wasser- und Landschaftsbau | Oderbruch<br />
Prof. Dr. Uta Steinhardt | Landschaftsökologie | Eberswalde<br />
Prof. Verone Stillger | Landschaftsplanung | Osnabrück<br />
Almut Undisz | Landschaftskommunikation | Oderbruch<br />
Prof. Hubertus v. Dressler | Landschaftsplanung | Osnabrück<br />
Christiane Wartenberg | Rauminstallation | Oderbruch<br />
Prof. Dr. Hubert Wiggering | Landschaftsökologie | Müncheberg</p>
<p><strong>Den Rahmen</strong><br />
des Pleinairs bildet der Oderbruchpavillon, eine seit 2004 realisierte  Landschaftswerkstatt, in der Methoden der Landschaftskommunikation  exemplarisch für die<br />
Regionalentwicklung erprobt werden. Die Ergebnisse des Pleinairs werden im Oderbruchpavillon dokumentiert.</p>
<p>Kontakt: k.anders@oderbruchpavillon.de</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kulturlandschaft.iale.de/?feed=rss2&amp;p=179</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das Einmaleins der Nachhaltigkeit</title>
		<link>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=176</link>
		<comments>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=176#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 06 May 2011 11:26:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchbesprechungen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kulturlandschaft.iale.de/?p=176</guid>
		<description><![CDATA[Elinor Ostrom, Was mehr wird, wenn wir teilen. Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter. Herausgegeben, überarbeitet und übersetzt von Silke Helfrich. oekom verlag, München 2011, 126 S. 14,95 € Man kann nicht behaupten, dass die Umweltwissenschaften in Deutschland die Herausforderung angenommen haben, die mit der Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises an Elinor Ostrom auf sie gekommen ist. Ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Elinor Ostrom, Was mehr wird, wenn wir teilen. Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter. Herausgegeben, überarbeitet und übersetzt von Silke Helfrich. oekom verlag, München 2011, 126 S. 14,95 €</strong></p>
<p>Man kann nicht behaupten, dass die Umweltwissenschaften in Deutschland die Herausforderung angenommen haben, die mit der Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises an Elinor Ostrom auf sie gekommen ist. Ein großer Teil gerade der sozioökonomischen Arbeiten zum Thema Umwelt stützt sich immer noch auf mechanistische Ansätze, wie sie seit der Blüte der Zahlungsbereitschaftsanalysen hierzulande beliebt sind. Die größte Popularität erfahren gegenwärtig die Ecosystem Services. Wer allerdings meint, in diesem Ansatz eine hinreichende Schnittmenge zu den Arbeiten Ostroms zu erkennen (immerhin geht es da doch auch um Ansätze zur Vergütung und Quotierung!), sollte es sich nicht zu einfach machen. Ohne systemwissenschaftliches Denken wird aus den Services schnell eine Chimäre. Das ist denn gegenwärtig auch zu erleben.</p>
<p>Aus diesem Grund ist es eine gute Idee, einen unkomplizierten und eher essayistischen Einblick in das Denken Ostroms zu geben. Die Wissenschaft mag den Ball nicht auffangen, die Öffentlichkeit dagegen schon – und schließlich reagieren auch die Wissenschaften auf öffentliche Nachfrage. Das vorliegende Bändchen unternimmt diesen Versuch. Es besteht im Wesentlichen aus zwei Texten, die englischsprachigen Zeitschriften entstammen, wobei im zweiten Falle ein Interview zu einem Fließtext umgearbeitet wurde.</p>
<p>Im ersten Teil werden die Leser mit den grundlegenden Begriffen vertraut gemacht, die für Analyse und Hermeneutik von Gemeingütern benötigt werden. Selbstverwaltung und Selbstorganisation, Emergenz und Redundanz, Institution und Kooperation fungieren als Pflöcke, an denen die Autorin viele kleine und große Beobachtungen vertäuen kann und auch ihren Lesern die Chance gibt, mit den eigenen Erfahrungen in die Auseinandersetzung einzutreten. Der freundliche sprachliche Gestus der Autorin lässt einen zuweilen über das große kritische Potenzial ihres Denkens hinweglesen, das unzweifelhaft darin zu finden ist – man denke nur an die anhaltende Zerstörung tradierter Organisationsformen von Gemeingütern durch privatwirtschaftliche Aneignung und verzerrte politische Wahrnehmung. Der eher freundliche Gestus prägt übrigens das ganze Buch: Es soll vor allem eine Einladung zur Beschäftigung mit dem Potenzial der Gemeingüter sein, sich zugleich aber auch vorsichtig von anderen Annäherungsweisen abgrenzen.</p>
<p>Im zweiten Teil werden Versuche diskutiert, neuartige Steuerungsformen für globale Gemeingüter zu etablieren, wobei es vor allem bei den Fisch- und Waldbeständen bereits einen größeren Erfahrungsschatz gibt. Die Autorin ist hier – der ursprünglichen Form des Interviews entsprechend – um eine offene Reflexion bemüht, erreicht allerdings nicht die systematische Klarheit des erstens Teils. Auf jeden Fall wird die Kluft sichtbar, die sich zwischen traditionell gewachsenen und in lokalen Gemeinschaften verankerten Regelungsformen und neuartigen globalen Steuerungsinstitutionen auftut. Mit der systemtheoretischen Perspektive Ostroms im Hinterkopf bleiben dann doch mehr Fragen offen, als durch den Rundumschlag zu beantworten sind.</p>
<p>Ein in Thesenform verfasster Katalog mit Gestaltungsprinzipien für die nachhaltige Bewirtschaftung von Gemeingütern schließt die kleine Textsammlung ab. Ergänzt wird sie durch ein ausführliches Glossar, das die Herausgeberin beigefügt hat. Hier werden in gut verständlicher Weise sowohl einige Institutionen und Schlagworte aus den jüngeren Umweltdebatten als auch zentrale systemtheoretische Grundbegriffe erläutert, die nicht nur in Politik und Wissenschaft sondern auch in der Öffentlichkeit benötigt werden, wenn man Gemeingüter vernünftig konzipieren und bewirtschaften will. Dieses Glossar ist lesenswert. Gemeinsam mit den vorangestellten Texten macht es deutlich, dass es sich bei den Arbeiten Elinor Ostroms und ihrer Kollegen nicht um eine Schule handelt, die man beachten oder ignorieren kann sondern um das Einmaleins der Nachhaltigkeit.</p>
<p>Kenneth Anders</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kulturlandschaft.iale.de/?feed=rss2&amp;p=176</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Regionale Veredelung und Vermarktung: Spielräume für landschaftsbezogenes Wirtschaften</title>
		<link>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=160</link>
		<comments>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=160#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 04 Mar 2011 07:25:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitskreis-Archiv]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kulturlandschaft.iale.de/?p=160</guid>
		<description><![CDATA[Bericht von einer Session bei der 10. Jahrestagung der IALE-D. Der Tagungsband und das vollständige Veranstaltungsprgramm finden Sie zum Download unter: http://www.iale.de/home/veranstaltungen/jahrestagung-2010.html Koordination und Moderation: Roman Lenz und Kenneth Anders, Bericht: Kenneth Anders Die Nutzung, Veredlung und Vermarktung heimischer Rohstoffe und Produkte wird in der politischen Diskussion als wesentliches Element der globalen Ökonomie hervorgehoben, ohne [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bericht von einer Session bei der 10. Jahrestagung der IALE-D. Der Tagungsband und das vollständige Veranstaltungsprgramm finden Sie zum Download unter: <a title="IALE" href="http://www.iale.de/home/veranstaltungen/jahrestagung-2010.html" target="_blank">http://www.iale.de/home/veranstaltungen/jahrestagung-2010.html</a></p>
<p>Koordination und Moderation: Roman Lenz und Kenneth Anders, Bericht: Kenneth Anders</p>
<p>Die Nutzung, Veredlung und Vermarktung heimischer Rohstoffe und Produkte wird in der politischen Diskussion als wesentliches Element der globalen Ökonomie hervorgehoben, ohne eine entsprechende Wertschätzung zu erfahren. Gemessen an den derzeitigen Verhältnissen in der Europäischen Erwerbsgesellschaft ist diese Geringschätzung nachvollziehbar. Aber ist sie unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit auch richtig? Dies betrifft nicht nur das Innovationspotenzial starker Regionalwirtschaften: Ökonomisch aktive und fein strukturierte ländliche Räume zeigen häufig eine größere Leistungsfähigkeit, wenn es um Innovationen und um den Platz auf den großen Märkten geht. Vor allem aber ist der Beziehungsreichtum heimischer Produkte für die regionale Identität und für die soziokulturelle Eigendynamik und Selbstorganisation in Kulturlandschaften unerschöpflich und unersetzlich. Damit geht eine These einher: Nachhaltige Landschaftsentwicklung ohne Regionalwirtschaft ist unmöglich!</p>
<p>Regionale Veredlung ist eine Strategie des Gartens, in dem durch normative Entscheidungen zugleich Wachstum ermöglicht wird. Welcher Art ist dieses Wachstum und welche Chancen hat es in Konkurrenz zur globalen Wirtschaft? Die Beiträge zur Session zeigten sehr verschiedene Facetten regionaler Wirtschaft und legten dementsprechend auch kontrastierende Antworten nahe.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-161" href="http://kulturlandschaft.iale.de/?attachment_id=161"><img class="alignnone size-medium wp-image-161" title="Honig" src="http://kulturlandschaft.iale.de/wp-content/uploads/Honig-300x155.jpg" alt="" width="300" height="155" /></a></p>
<p><em>Honig ist ein elementares Produkt lokaler Produktion und Veredlung. Die 10. IALE-Tagung stand denn auch ganz im Zeichen eines Kunst-Honig-Projekts von Robert Lenz und Christiane Wartenberg.</em></p>
<p><strong>Michael Baldenhofer</strong> berichtete am Beginn der Session über ein Modellprojekt des Landes Baden-Württemberg. PLENUM soll regionale Wertschöpfung mit einem Mehrwert für Mensch, Natur und Landschaft in fünf Projektgebieten erreichen. Am Westlichen Bodensee ist das Vorhaben beim Amt für Landwirtschaft Stockach angesiedelt und wird von der „Modellprojekt Konstanz GmbH“ realisiert. Charakteristisch ist der Versuch, die Netzwerke verschiedener temporärer Förderprogramme (PLENUM, LPR, ELR, Interreg, ESF etc.) zu einer längerfristigen Strategie regionalen Wirtschaftens zusammenzubinden. Aus den dadurch wachsenden Institutionalisierungen werden einzelne Projekte aufgebaut, in denen Naturschutzziele durch regionalwirtschaftliches Handeln erreicht werden können. Diese Bemühungen illustrierte Baldenhofer anhand von zwei Netzwerken: Der Verein „Gutes vom See“ ist ein Zusammenschluss von Unternehmern am Bodensee in Form eines Vereins, der gezielt regionale Produkte in Gastronomie und Handel anbieten und dadurch extensive Landnutzungen, lokale Veredelung und landschaftspflegerisches Engagement fördern kann. Die Marke LinzgauKorn ist dagegen auf ein spezielles Segment gerichtet: Hier wird regionales Getreide nach den Kriterien „Qualitätszeichen und Bio Baden-Württemberg“ und darüber hinaus gehenden naturschutzorientierten Kriterien produziert und in einer regionalen Mühle und Bäckereien verarbeitet und vermarktet. Verbunden damit sind sowohl höhere Preise für die Produzenten als auch landschaftspflegerische bzw. naturschutzfachliche Effekte (Blühstreifen, Sortenvielfalt). In beiden Fällen wird zudem versucht, die regionalwirtschaftlichen und landschaftspflegerischen Effekte mit kulturlandschaftlicher Identität zu verknüpfen.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-162" href="http://kulturlandschaft.iale.de/?attachment_id=162"><img class="alignnone size-medium wp-image-162" title="LinzgauKorn" src="http://kulturlandschaft.iale.de/wp-content/uploads/LinzgauKorn-300x213.jpg" alt="" width="300" height="213" /></a></p>
<p><em>Ein kleines Korn kann viele Menschen zusammenführen: Das regionale Partnerprojekt LinzgauKorn.</em></p>
<p>Diesem „klassischen“ Ansatz staatlichen Handelns durch die Schaffung von Anreizen und die Bündelung von Initiativen stellte <strong>Christian Hiß</strong> ein Modell gegenüber, das stärker auf bürgerschaftliche Selbstorganisation setzt. Die Bürgeraktiengesellschaft Regionalwert AG will sozial-ökologische Wertschöpfung in der Landwirtschaft in der Region Freiburg forcieren, wobei die Kriterien für Nachhaltigkeit, Ökologie, soziale Relevanz etc. von den Aktionären erst entwickelt werden. Jährlich wird den Aktionären anhand von 64 Indikatoren in den Themenbereichen Beschäftigte/Ökologie/Regionalwirtschaft ein qualitatives Geschäftsergebnis zur Bewertung vorgelegt. Auseinandersetzungen über die Relevanz, über Messbarkeit und Hierarchie der Kriterien sind ausdrücklich erwünscht, nichtmaterielle und materielle Wertschöpfungsformen sollen in eine Gesamtrechnung einfließen. Der Wertschöpfungsansatz basiert also durchaus auf investiertem Kapital, inwiefern das Kapital aber erfolgreich arbeitet, wird in einem Aushandlungsprozess entschieden. Der Erwerb und die Verpachtung von landwirtschaftlichen Betrieben, die Finanzierung von landwirtschaftlichen Betrieben und finanzielle Beteiligungen an Unternehmen und Existenzgründungen sollen die Regionalentwicklung steuern. Das Spektrum der Betriebe reicht vom Gemüse-, Obst- und Weinbau bis zur Distribution und Gastronomie. Da für einen nachhaltigen Erfolg des Unterfangens die betriebswirtschaftliche Funktionsfähigkeit der einzelnen Unternehmen durchaus gesichert werden muss, liegt das entscheidende Bemühen der Regionalewert AG darin, Zeit und Vorlauf für langfristige Perspektiven zu gewinnen, den schnellen Verwertungsdruck zu verringern und so kulturlandschaftliche Inwertsetzungen sichtbar zu machen.</p>
<p><strong>Ralf Kirchner-Heßler</strong> referierte anschließend über ein Instrument zur Erfassung von Streuobstwiesen mit Akteuren im PLENUM-Gebiet Heckengäu (Baden-Württemberg; Landkreise Böblingen, Calw und Enzkreis). Die Akteure sind hierbei als Partner der wissenschaftlichen Experten in die Datenerhebung und in die Maßnahmenkonzeption zur Entwicklung der Streuobstwiesen einbezogen und setzen die Planung schließlich selbst um. Der partizipative Anspruch soll also, im Gegensatz zu konventionellen planerischen Ansätzen, in allen Phasen des Arbeitszusammenhanges zur Geltung kommen. Das genutzte Erfassungs- und Bewertungsverfahren ist dementsprechend verständlich und praxisorientiert gestaltet.</p>
<p><strong>Roman Lenz</strong> präsentierte mit der „Arche des Geschmacks“ ein Projekt zur Stärkung der regionalen Esskultur. Slow Food International mit seiner Stiftung für Biodiversität ist Träger des Vorhabens. Seit wenigen Jahren werden „Archepassagiere“ gekürt und Förderkreise eingerichtet, um die regionale Esskultur zu stärken. Eine Schlüsselfunktion nimmt dabei die Vielfalt an historisch entstandenen Pflanzensorten sowie Tierrassen ein, die den Regionen Eigenart verleihen und in der Regel mit einem ganzen Hof kultureller Techniken umgeben sind. Derzeit gibt es in Deutschland knapp 30 Arche-Passagiere vom Spitzkohl bis zum Würchitzer Milbenkäse; aus Baden Württemberg kommen elf solcher Passagiere. Dabei fiel auf, dass zuweilen sehr kleine Elemente zum Kern einer weiterreichenden Entwicklung werden können: Verschollen geglaubte Sorten der ursprünglichen schwäbischen „Alb-Leisa“ z.B. wurden in einer Samenbank des St. Petersburger Wawilow-Instituts gefunden und werden nun auf der Alb wieder kultiviert. Die Faszination einzelner Landwirte ist dabei eine wichtige Ressource, mit der die o.g. Zeit für die Entwicklung langfristiger Perspektiven mobilisiert werden kann.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-163" href="http://kulturlandschaft.iale.de/?attachment_id=163"><img class="alignnone size-medium wp-image-163" title="AlbLeisa" src="http://kulturlandschaft.iale.de/wp-content/uploads/AlbLeisa-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a></p>
<p><em>Die Alb-Leisa wird im St. Petersburger Wawilow-Institut gefunden und kann nun wieder auf der Schwäbischen Alb kultiviert werden.</em></p>
<p>Einen gänzlich anderen Zugang zur regionalen Wirtschaft führte <strong>Franka Papendiek</strong> in die Debatte ein. Durch Bioraffinerien sieht sie die Chance einer Verlagerung der Veredelung von Biomasse in den ländlichen Raum. Demnach können aus Biomasse exakt bestimmte Grundstoffe für die Chemie-, Pharma- und Kosmetikindustrie werden. Der stofflichen Veredelung gebührt aufgrund mangelnder Rohstoffalternativen gegenüber einer energetischen Verwertung unbedingt der Vorrang. Das Prinzip der Kaskadennutzung bedarf enormer technologischer Anstrengungen, wenn es verwirklicht werden soll, doch kann dadurch die Effizienz der Biomassenutzung steigen. Im Hinblick auf die oft in der Regionalwirtschaftsdebatte reklamierte kulturlandschaftliche Vielfalt ist interessant, dass durch die Landwirte verschiedene Rohstoffe (Grünschnitt, Holz, Stroh, Abfälle) an die Bioraffinerien geliefert werden können – im Gegensatz zu den derzeit landschaftsprägenden Maisschlägen würde dies eine Diversifizierung der Bewirtschaftungen ermöglichen. Zugleich wurde deutlich, dass die komplexe Bioraffinerie im Vergleich zu den o.g. Ansätzen eindeutig für eine Strategie des Anschlusses an industrielle Strukturen steht.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-164" href="http://kulturlandschaft.iale.de/?attachment_id=164"><img class="alignnone size-medium wp-image-164" title="Bild_Bioraffinerie" src="http://kulturlandschaft.iale.de/wp-content/uploads/Bild_Bioraffinerie-300x205.jpg" alt="" width="300" height="205" /></a></p>
<p><em>So könnte eine Bioraffinerie in Zukunft aussehen. (<a href="http://idw-online.de/de/newsimage?id=83405&amp;size=screen">http://idw-online.de/de/newsimage?id=83405&amp;size=screen</a>)</em></p>
<p><strong>Kenneth Anders</strong> diskutierte das regionale Wirtschaften schließlich im historischen Kontext. Das zwanzigste Jahrhundert steht seiner Ansicht nach im Zeichen einer radikalen Aufkündigung der Wertschöpfungsbeziehung zwischen Stadt und Land. Der fortschreitende Zerfall von Regionen als Wertschöpfungsgemeinschaften wirft die Frage nach der Eigenlogik des ländlichen Raums auf: Sind Landschaften urbane Funktionsräume, in denen sich die globale Wirtschaftslogik räumlich ausdifferenzieren kann oder müssen sie eine wirtschaftliche, aus ihrer sozialökologischen Spezifik resultierende Eigenlogik beanspruchen? Hier schließen sich politische Fragen an: ist die Industrialisierung der Landwirtschaft, insbesondere der Tierhaltung aus der Sicht der ländlichen Räume hinzunehmen? Gibt es nicht substituierbare Handwerke, die Opfer globaler Handelspolitik werden (z.B. die Korbflechterei)? Inwiefern können moderne Versuche, Design und Regionalentwicklung zusammenzuführen, das Dilemma der „alten“ Wirtschaftsweisen überwinden? Und welche subsistenzwirtschaftlichen Strategien sind für die ländlichen Räume unverzichtbar? In der Folge verwies Anders vor allem auf die Notwendigkeit von Stadt-Land-Diskursen, mit deren Hilfe die Kulturlandschaften als Handlungsräume neu konzipiert werden können. Dabei sind politische Auseinandersetzungen ebenso notwendig wie eine Neuorientierung des Naturschutzes auf Fragen der Landnutzung. Und nicht zuletzt sind auch utopische Elemente unverzichtbar.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-165" href="http://kulturlandschaft.iale.de/?attachment_id=165"><img class="alignnone size-medium wp-image-165" title="Frühbeet" src="http://kulturlandschaft.iale.de/wp-content/uploads/Frühbeet-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a></p>
<p><em>Regionales Wirtschaften reicht von der Subsistenz bis zur professionellen Vermarktung und ist durch eine wesentlich höhere Selbstorganisation der involvierten Akteure geprägt. Darin liegt die Stärke regionaler Wirtschaftsakteure – und daraus erklärt sich zugleich, warum sie in unserer Erwerbsgesellschaft als Sonderlinge gelten.</em></p>
<p><strong>Ausblick:</strong> Obwohl die Session in erster Linie eine Reihe von unterschiedlichen Referaten vereinte, erlaubt sie doch einige interessante systematische Aussagen. So wurde sichtbar, dass Strategien der regionalen Wertschöpfung als kulturlandschaftliche Inwertsetzungen vor allem Zeit brauchen und Strukturen benötigen, mit denen die überregionalen Wirtschaftsmechanismen zumindest temporär durchbrochen werden können. Darüber hinaus sind auch außerökonomische Ressourcen wie regionale Identität, Leidenschaft für landschaftliche Eigenart, Tradition und Wissen erforderlich. Nicht zuletzt zeigte sich in der Spannung zwischen traditionellen regionalen Wirtschaftsansätzen und organisatorischer bzw. technologischer Innovation ein enormer konzeptioneller Spielraum, der bislang weder politisch noch wissenschaftlich hinreichend erkundet worden ist. Regionalwirtschaft ist kein Liebhabethema – für nachhaltige Landschaftsentwicklung ist es das Schlüsselthema schlechthin.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kulturlandschaft.iale.de/?feed=rss2&amp;p=160</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Warum die Landschaftsökologie eine Kunst braucht</title>
		<link>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=153</link>
		<comments>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=153#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 15 Feb 2011 08:07:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst und Landschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kulturlandschaft.iale.de/?p=153</guid>
		<description><![CDATA[Einführung zum künstlerischen Rahmenprogramm bei der 10. Jahrestagung der IALE-D Vor einigen Jahren hörte ich auf einer Tagung einen landschaftsökologischen Vortrag. Der Referent sprach über sein disziplinäres Selbstverständnis. Die Landschaftsökologie, so führte er aus, müsse landschaftliches Steuerungswissen entwickeln. Sie könne als Wissenschaft nicht vorwegnehmen, welche Werturteile von der Gesellschaft gefällt würden, stattdessen sollte sie damit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einführung zum künstlerischen Rahmenprogramm bei der 10. Jahrestagung der IALE-D</p>
<p><a rel="attachment wp-att-79" href="http://kulturlandschaft.iale.de/?attachment_id=79"><img title="1_Blog" src="../wp-content/uploads/1_Blog.jpg" alt="" width="283" height="125" /></a></p>
<p>Vor einigen Jahren hörte ich auf einer Tagung einen  landschaftsökologischen Vortrag. Der Referent sprach über sein  disziplinäres Selbstverständnis. Die Landschaftsökologie, so führte er  aus, müsse landschaftliches Steuerungswissen entwickeln. Sie könne als  Wissenschaft nicht vorwegnehmen, welche Werturteile von der Gesellschaft  gefällt würden, stattdessen sollte sie damit vorlieb nehmen, die  Instrumente bereitzustellen, mit denen die normativen Entscheidungen der  Gesellschaft nachher umgesetzt werden könnten. Hier die bewertende,  dort die technologische Arbeit. Dass Landschaft auch ein analytisches  und ein hermeneutisches Problem darstellt, ließ er gleich weg.  Stattdessen reduzierte er das Verhältnis von Wissenschaft und  Gesellschaft auf ein einfaches Bild: Die Landschaft sei ein Flugzeug,  die Wissenschaft baue den Steuerknüppel und schreibe die dazu gehörige  Gebrauchsanweisung, die Gesellschaft stelle den Piloten, und bei diesem  handelt es sich um einen Politiker.</p>
<p>Nun hat schon Arthur Schopenhauer die Wahl eines schwachen Gegners  als eristischen Kunstgriff enttarnt, zu dessen Gebrauch auch ich mich  hiermit bekenne. Zugegeben: Die meisten Landschaftsökologen würden das  Bild von Flugzeug, Pilot und Steuerknüppel lieber nicht gebrauchen, weil  es ihnen dann doch offenkundig zu simpel ist. Aber es kann doch auch  kein Zweifel daran bestehen, dass mit dem Verhältnis der  Umweltwissenschaften (um den Kreis der hier gemeinten Disziplinen gleich  etwas zu erweitern) zur Gesellschaft einiges im Argen ist.</p>
<p>Da ist auf der einen Seite die tiefe Prägung der ökologischen  Wissenschaft durch die Ökologiebewegung, die sie mit einem großen  normativen Gepäck ausgestattet hat. Über diese Bindung und die damit  impliziten Werturteile wird zu wenig reflektiert. Dieses Defizit hat  lange Zeit dafür gesorgt, dass Teile der Landschaftsökologie als  Dienstleister des Naturschutzes auch den Fragestellungen und Ideologien  der Naturschützer gefolgt sind und entsprechende blinde Flecken  übernommen haben – etwa die völlig unzureichende Auseinandersetzung mit  der praktizierten Landnutzung sowie der Abiotik und die damit  einhergehende Fokussierung auf den Arten- und Biotopschutz.</p>
<p>Dann finden wir eine große Abhängigkeit der Umweltwissenschaften  überhaupt von der Politik. Sie werden immer stärker als angewandte  Wissenschaft wahrgenommen, ohne das die damit verbundenen Konsequenzen  gezogen werden. Nur wenige haben sich in die Grundlagenforschung retten  können, die meisten sind heute auf Förderstrukturen angewiesen, in denen  die oben erwähnten normativen Entscheidungen längst vorweggenommen sind  und von der Wissenschaft befolgt werden müssen. Das bedeutet, um im  obigen Bild zu bleiben: Die Politik verlangt gar keinen universalen  Steuerknüppel, mit dem man in alle Richtungen lenken kann. Sie gibt  vielmehr vor, dass ein Steuerknüppel zu entwickeln ist, mit dem man nur  in eine bereits vorher festgelegte Richtung fliegen kann. Indem die  Geldgeber zusammen mit Sachverständigen definieren, auf welche Weise  politische Konzepte wie Biodiversität oder Nachhaltigkeit gebraucht  werden sollen, berauben sie die Forschung der Freiheit, diese Begriffe  in einem eigenen kritischen Gebrach zu schärfen. Das kann für eine  Wissenschaft auf Dauer nicht gut sein. Ich würde sogar behaupten: Wenn  sich die Vertreter eines Fachs zu lange eine solche Zumutung gefallen  lassen, erleben sie den Niedergang ihres Faches noch vor ihrer  Verrentung.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-80" href="http://kulturlandschaft.iale.de/?attachment_id=80"><img title="4-Blog" src="../wp-content/uploads/4-Blog.jpg" alt="" width="425" height="230" /></a></p>
<p>Und schließlich erleben wir immer wieder das oben schon angedeutete  und weit verbreitete Versprechen von Wissenschaftlern, sie könnten mit  Forschungsmethoden Steuerungsprobleme in der Landschaft lösen. Man  sollte so etwas nicht ausschließen, aber in meiner – zugegeben erst  zehnjährigen – Erfahrung mit den Umweltwissenschaften handelte es sich  dabei meistens um maßlose Übertreibungen, die allerdings gern von der  Politik gehört wurden. Das mechanistische Versprechen des Steuerknüppels  hat im Verlaufe der Jahre in der Politik eine immer naivere Vorstellung  von dem gefördert, was eigentlich Umweltwissenschaften leisten können  und sollen. Die Folgen sind in meinen Augen verheerend. Das  aufklärerische  Mandat wurde diesen Disziplinen geradezu entzogen.  Sozial-, Kommunikations- und Kulturwissenschaften werden zusehends als  Agenturen für Public Relations missverstanden. Über Generationen  erarbeitete Standards guter fachlicher Praxis in der Landnutzung werden  immer weniger vermittelt und gehütet. Und, was in meinen Augen das  Schlimmste ist: Das Versprechen eines unmittelbar nützlichen  Steuerungswissens schwächt auf Dauer die Wissenschaftler selbst, nicht  nur moralisch, sondern auch intellektuell. Denn wer einmal wissentlich  etwas Falsches sagt, lügt. Wer es aber hundertmal sagt, glaubt am Ende  selbst daran. So etwas ist nur möglich, indem man das eigene  Reflexionsniveau senkt. Auf diese Weise verkommen methodische Apparate  zu selbstreferentiellen Sprachspielen, die nach und nach das  selbständige Denken und Wahrnehmen verschlingen: Datenbanken und  Modelle, die um ihrer selbst willen gefüttert werden wollen,  Befragungen, die an spezialisierte Institute outgesourct werden müssen,  weil es für die Bearbeiter selbst unzumutbar geworden ist, sie selbst am  Probanden durchzuführen, Szenarien, denen jede Plausibilität fehlt, die  dafür aber bis auf die zehnte Stelle hinter dem Komma durchgerechnet  worden sind.</p>
<p>Die Landschaft ist das Habitat des Menschen – durch Menschen  geformter, aber in seiner Wirklichkeit nicht intendierter Raum,  angeeignete Natur, hinter unserem Rücken gewachsene Struktur. Landschaft  hat eine Eigendynamik und wesensmäßig kann sie keine einzelne  Steuerungsinstitution aufweisen – denn als Landschaft bezeichnen wir  keine Fläche von wenigen Quadratmetern im Besitz eines einzelnen  Eigentümers. Landschaft ist geteilter Raum und dadurch komplex.  Interdependente Handlungen und Rahmenbedingungen, die außerhalb des  jeweiligen Raumgefüges liegen machen es unmöglich, einen  Steuerungsknüppel zu installieren. Was wir haben sind vielleicht  Spielräume und kleine Stellschrauben – aber sie müssen auch von den  richtigen Leuten mit den richtigen Intentionen genutzt werden, wenn die  Wissenschaft einen Einfluss auf die Landschaft haben will.</p>
<p>Die Landschaft als Kulturlandschaft steuerbar zu machen, sie als  bewusst gestalteten Raum zu begreifen und zu entwickeln, ist eine Vision  des 19. Jahrhunderts, denen wir Disziplinen wie etwa die  Landschaftsplanung und auch die Blüte der Landschaftsökologie verdanken.  Diese Vision hat sehr viel Gutes hervorgebracht: Wirkliches, fein  aufgelöstes Wissen von der Funktionsweise vieler Ökosysteme, eine  differenzierte Kenntnis der Folgen menschlichen Handelns in der Natur,  außerdem planerische Ausgleichsmechanismen, die dem Wildwuchs des  Naturverbrauchs hier und da etwas entgegensetzen können. Ich bin der  Überzeugung, dass wir an der Vision einer gesteuerten  Landschaftsentwicklung unbedingt festhalten müssen – und dass sich  dieser Anspruch nur im Prinzip der Selbstorganisation von  Handlungsräumen realisieren lässt.</p>
<p>Vor einigen Jahren diskutierte ich mit Wolfgang Zehlius-Eckert  darüber, ob Landschaft einen Systemcharakter habe. Er hat dies damals  verneint und ich musste ihm leider recht geben. Heute würde ich sagen:  Landschaft hat keinen Systemcharakter, sie ist, im Gegenteil dabei,  Systemqualitäten immer mehr zu verlieren. Denn die naturräumliche  Bindung des Menschen und seiner Handlungen an den Naturraum, wird unter  den Bedingungen der Globalisierung immer noch weiter aufgelöst. Die  Ökosysteme werden fortlaufend gesprengt. Selbst der Ausbau regenerativer  Energien wird in der Logik dieser Auflösung des Raums vollzogen,  allenfalls einzelne Dörfer lassen Ansätze erkennen, diese Logik zu  sprengen. Und die Politik organisiert immer weiter eine Vertikalisierung  von landschaftsbezogenen Handlungen in europaweit organisierten  Sektoren, so dass sich Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Naturschutz,  Tourismus und Siedlung immer weiter voneinander segregieren, statt in  einem gemeinsamen Raumbezug Landschaft wieder zu gestalten und somit ihr  Selbstorganisationspotential zu erhöhen. Somit entstehen große Cluster  einheitlich beherrschbarer Flächen.</p>
<p>Umso wichtiger erscheint mir der Anspruch, die Vision sich teilweise  selbst organisierender kulturlandschaftlicher Handlungsräume endlich  auszuformulieren. Dazu braucht es allerdings eine andere Wissenschaft  als die oben holzschnittartig kritisierte – und es braucht den Diskurs,  das kritische Denken und die Leidenschaft für den landschaftlichen  Gegenstand. Ohne eine ehrliche Sicht auf die riesige Lücke, die zwischen  dem Anspruch auf Steuerung und dem tatsächlichen Steuerungswissen  besteht, wird es nie und nimmer gelingen, auch nur einen ernsthaften  Beitrag zur nachhaltigen Landschaftsgestaltung zu leisten.</p>
<p>Für die zehnte Jahrestagung der IALE-D haben wir uns deshalb  entscheiden, einen Versuch mithilfe eines nichtwissenschaftlichen  Weltbezugs zu wagen – mit der Kunst. Christiane Wartenberg aus dem  Oderbruch und Robert Lenz aus Berlin haben für uns Kunst-Honig  vorbereitet, von dem ich sie hiermit reichlich zu kosten aufordere. Den  Honig gibt es in zweierlei Gläsern.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-81" href="http://kulturlandschaft.iale.de/?attachment_id=81"><img title="3-Blog" src="../wp-content/uploads/3-Blog.jpg" alt="" width="190" height="283" /></a></p>
<p>Die einen sind von Christiane Wartenberg und sie enthalten auf  Kaltnadelradierungen den Nektar, den die Wissenschaft aus der Landschaft  saugt, indem sie ihre Begriffe und Daten darin generiert. Betrachten  sie ruhig diesen Honig und lassen sie ihn sich einmal auf der Zunge  zergehen: Ist er süß oder fad? Lässt er sich leicht streichen, ist er  dünnflüssig oder ist er so kristallin geworden, dass man ihn gar nicht  mehr aus dem Glas bekommt? Nehmen sie sich die Zeit, lesen sie und am  besten kaufen sie auch den Honig, der Ihrem eigenen begrifflichen  Apparat am ehesten entspricht. Es kann nicht schaden, ihn zur Schärfung  des eigenen kritischen Bewusstseins neben den Bildschirm zu stellen.  Oder kaufen sie jenen, der sie am meisten aufregt! Im Ärger über  wissenschaftliche Konzepte, die einem selbst unerträglich geworden sind,  steckt auch eine positive Energie.</p>
<p>Die anderen Gläser enthalten essbaren Honig, übrigens ökologisch  produzierten. Was genau das bei Honig bedeutet, kann ihnen Robert Lenz  erklären. Der Honig wurde von ihm in der Uckermark gekauft und extra für  die Jahrestagung landschaftsökologisch qualifiziert – durch intensive  Gespräche mit dem Imker nämlich. So erfahren wir etwas über den genauen  Standort, an dem die Bienen ihre Tracht gesammelt haben sowie über die  verschiedenen Blütenpflanzen und die mit ihnen verbundenen besonderen  ökologischen Probleme. Auf diese Weise wird deutlich, wie viel  Landschaft im Honig steckt und wie fatal der Versuch der Industrie ist,  diesen engen und wichtigen Zusammenhang bis zur Unkenntlichkeit  aufzulösen.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-82" href="http://kulturlandschaft.iale.de/?attachment_id=82"><img title="2-Blog" src="../wp-content/uploads/2-Blog.jpg" alt="" width="283" height="252" /></a></p>
<p>Nicht zuletzt wird ihnen aufgefallen sein, dass man aus den Fenstern  unseres Tagungsraums nicht so richtig herausschauen kann. Das ist  Absicht, und zwar künstlerische Absicht von Christiane Wartenberg. In  Buttermilch geritzt lesen sie die Landschaft und wie man über sie  sprechen kann. Wird sie dadurch sichtbar? Wird sie dadurch begreifbar?  Und wird sie gar steuerbar?</p>
<p>Wir haben die beiden Künstler nicht zur fröhlichen Bekunstung nach  Nürtingen eingeladen. Vielmehr erhoffen wir uns von ihrer Arbeit eine  gesunde Provokation und eine Ermutigung zum kritischen Denken für unsere  Tagung. Bitte nehmen sie diese Aufforderung an. Sprechen sie mit den  Künstlern, sprechen sie untereinander im Sinne ihrer Fragen, schenken  sie sich nichts, seien sie mutig. Wir wollen die Sessions auch im  beschriebenen Sinne für eine offene landschaftsökologische und  umweltwissenschaftliche Debatte nutzen. Am Ende der Tagung werden wir  diese Ergebnisse auswerten, es geht uns also nicht um ein bloßes  Schaulaufen von Arbeiten, die sowieso gemacht und irgendwo präsentiert  werden sollten. Wie weit wir damit kommen, wird sich zeigen, einen  Versuch aber ist es wert. Bereits jetzt möchten wir den beiden Künstlern  danken, dass sie diese Arbeit für uns ohne Honorar erbracht haben. Wir  hoffen, dass wir ihnen wenigstens durch unser Verhalten eine  hinreichende Anerkennung zuteilwerden lassen können.</p>
<p>Machen sie mit &#8211; und kaufen sie Kunst-Honig – er möge ihnen schmecken und bei der weiteren Arbeit dienlich sein.</p>
<p>Kenneth Anders, 22. 9. 2010</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kulturlandschaft.iale.de/?feed=rss2&amp;p=153</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Und was wird aus dem Land?</title>
		<link>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=148</link>
		<comments>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=148#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 26 Oct 2010 10:54:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchbesprechungen]]></category>
		<category><![CDATA[Diskurs]]></category>
		<category><![CDATA[Handlungsraum]]></category>
		<category><![CDATA[Industrie]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturlandschaft]]></category>
		<category><![CDATA[ländlicher Raum]]></category>
		<category><![CDATA[Landschaftskommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Landschaftskunst]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kulturlandschaft.iale.de/?p=148</guid>
		<description><![CDATA[Zum Strategiepapier &#8220;Vision 2050&#8243; des WBCSD (World Business Council for Sustainable Development) Die Studie „Vision 2050“ blendet die zentrale Herausforderung für die Schaffung nachhaltiger Strukturen aus, um ihren unternehmerischen Mut nicht zu bremsen von Kenneth Anders Eine neue Agenda für Unternehmen muss in erster Linie auf unternehmerische Spielräume gerichtet sein. Diesem Anspruch wird das Papier [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zum Strategiepapier &#8220;Vision 2050&#8243; des WBCSD (World Business Council for Sustainable Development)</em></p>
<p>Die Studie „Vision 2050“ blendet die zentrale Herausforderung für die  Schaffung nachhaltiger Strukturen aus, um ihren unternehmerischen Mut  nicht zu bremsen</p>
<p>von Kenneth Anders</p>
<p>Eine neue Agenda für Unternehmen muss in erster Linie auf  unternehmerische Spielräume gerichtet sein. Diesem Anspruch wird das  Papier in gewisser Weise gerecht. Es will Mut und Lust machen, sich den  Herausforderungen zu stellen, die durch Bevölkerungswachstum und  Ressourcenknappheit auf die Menschheit als Ganze zukommen – und somit  auch auf jene, die etwas unternehmen wollen.<br />
Die damit verbundenen Konflikte werden dagegen nur allgemein als ein  schwerer Abschied von altem Denken beschrieben. Einen systemischen  Änderungsbedarf will das Papier in Kernfragen einer nachhaltigen  Strategie nicht anerkennen, vielmehr verlässt man sich voll und ganz auf  den technologischen Fortschritt und überlässt die offenen Fragen einer  Neuordnung der politischen Steuerung. Das mag bei den neuen Chancen der  Wasseraufbereitung, der Informationstechnologie oder der  Abfallwirtschaft berechtigt sein, obwohl man schon bei Formulierungen  wie „weltweite Verfügbarkeit klimaschonender Mobilität“ einmal  nachfragen sollte, ob hier wirklich an normative Kompromisse oder nicht  doch eher an die Quadratur des Kreises gedacht worden ist. Bei den  klassischen primären Landnutzungen wie Land- und Forstwirtschaft ist es  dagegen blind und entspricht dem allerorten viel zu wohlfeilen  Optimismus bei der Erstellung von Best-Case-Szenarien globaler  Entwicklung.<br />
Die Autoren gehen davon aus, dass die demografischen Prozesse der  Gegenwart ungehindert anhalten, was zu einer weiteren Landflucht sowie  der Konzentration der Menschen in Städten führen würde. Darin sind sie  sich mit den meisten Wissenschaftlern und Politikern einig. Von dieser  Annahme wird abgeleitet, dass die Herausforderung der Nachhaltigkeit  folglich auch eine vornehmlich urbane Aufgabe ist. Die angedeuteten  Lösungen folgen dieser Logik: Verdopplung der Bioproduktivität, Deckung  des steigenden Bedarfs an Fleisch und Fisch, im Umkehrschluss Ausweisung  ungenutzter Schutzgebiete für die Biodiversität.<br />
Das entsprechende Szenario blendet die zivilgesellschaftliche Dimension  der von der Abwanderung betroffenen Räume konsequent aus. Von  Stadt-Land-Partnerschaften ist keine Rede, wahrscheinlich deshalb, weil  sich in den Augen der Autoren das Land als eigenständig beschreibbarer  Siedlungsraum überhaupt auflöst. Entlegen wirtschaftende Landwirte  müssten lediglich mit Wissen, neuer Technologie und den richtigen  Anreizen versorgt werden, um ihre Aufgaben pro Nachhaltigkeit erfüllen  zu können. Diese Vorstellung ist irrig.<br />
Ländliche Räume, in denen es keine funktionierende Zivilgesellschaft  mehr gibt und in denen entsprechende kulturlandschaftliche Diskurse  fehlen, entwickeln sich zu Betriebsflächen, auf denen ein  spezialisierter Unternehmenszweck unter Rationalisierungsdruck  realisiert wird. Das gilt für Afrika wie für Brandenburg. Die  gegenwärtige Ausdifferenzierung multifunktionaler Landschaften in  Agrarzonen, Tourismusgebiete, Industrieflächen, neue Wildnisse und  Wohnareale weist längst in diese Richtung. Sie geht mit einer  Untergrabung, nicht mit einer Stärkung  von Nachhaltigkeitsstandards  einher. Die gegenwärtig populäre Annahme in den Umweltwissenschaften  sowie in der Umweltpolitik, mit Gesetzen und  Anreizen auf der Basis  hochaggregierter Datensysteme ließe sich dieser Prozess aufhalten oder  steuern, ist eine Illusion. Eine Steuerung im Hinblick auf eine  ressourcenbewusste Landnutzung realisiert sich dauerhaft nicht durch  Eingriffe von außen, sondern in selbst organisierten Systemen inmitten  der Naturräume – und eben deren Herausbildung wäre die vornehmliche  Aufgabe einer Nachhaltigkeitsstrategie für die nächsten fünfzig Jahre.  Das würde übrigens – nebenbei bemerkt – auch auf die demografische  Dynamik, die von den meisten Wissenschaftlern gegenwärtig wie ein  Naturgesetz behandelt wird, interessante Auswirkungen haben.<br />
Man kann dieses Problem an der rasanten Entwicklung der industriellen  Massentierhaltung verdeutlichen, die von dem Papier an keiner Stelle  infrage gestellt wird. Die konzentrierte Mast und Schlachtung tausender  Tiere ist nicht nachhaltig – das weiß jeder. Sie erfordert einen viel zu  hohen Futtermitteleinsatz aus Monokulturen, verursacht  Umweltbelastungen, ist nicht artgerecht und verlangt einen permanenten  Einsatz von Medikamenten. Dass sich diese Technologie trotzdem  durchgesetzt hat, war nur auf der Basis räumlicher Segregation möglich.  Massentierbetriebe sind nicht mehr Teil des menschlichen Habitats sie  werden von keiner lokalen Steuerungsebene erreicht. Die Frage, ob die  Tierhaltung, wie auch andere Formen der Landwirtschaft und des  Handwerks, grundsätzlich nicht industrialisiert werden sollten,  erscheint deshalb aus der gegenwärtigen Logik naiv. Sie hat aber nach  wie vor ihre Berechtigung. Die weltweite Vernichtung der Böden und  ganzer Agrarökosysteme konnte bislang in keiner Weise gestoppt werden,  weil die primäre Landnutzung in ein System eingebunden wurde, das  vielleicht für die Produktion von Kofferradios taugt, nicht aber für die  von Hähnchenfleisch.<br />
Selbstverständlich können auch in der primären Landnutzung zukünftig  großartige Fortschritte gelingen, die dabei helfen, die Ernährungslücke  einer wachsenden Menschheit zu schließen. Aber ob diese Fortschritte  dann auch nachhaltige Nutzungen befördern, wird dort entschieden, wo sie  angewandt werden. Die politischen Systeme können entsprechende  Rahmenbedingungen setzen, auf die Steuerungsfunktion  kulturlandschaftlicher Handlungsräume, in denen sich Kriterien dafür  herausbilden, was eigentlich in einer spezifischen Landschaft legitim  ist, können sie nicht verzichten.<br />
Ähnliche strukturelle Schwierigkeiten werfen die in der Emphase der  „vierten Revolution“ gefeierten neuen Bioenergien auf. Dass in ihnen die  Zukunft unseres Energiesystems liegt, steht außer Frage, aber  anzunehmen, dass ihre Entwicklung in nachhaltigen Flächenregimes  erfolgt, ohne zugleich für vielfältige Partizipationsformen in der  regionalen Wertschöpfung ländlicher Räume zu sorgen, ist eine grandiose  politische oder ökonomistische Selbstüberschätzung.<br />
Nun würden die Autoren von „Vision 2050“ vielleicht einwenden,  es sei  ja ein Leichtes, ihr Szenario um entsprechende Strategien zu ergänzen:  hier eine Raumplanungsinitiative, dort ein landschaftskommunikativer  Diskurs. Dazu ist erstens zu sagen: Dann sollten sie dies auch dringend  tun, denn diese Aspekte sind unverzichtbar. Und zweitens ist zu sagen:  Wenn die ländlichen Räume als Handlungsräume entwickelt werden, in denen  Menschen ein vollwertiges Leben führen, das nicht dem Status eines  Montagearbeiters entspricht (und eben dies ist Voraussetzung für ihre  nachhaltige Bewirtschaftung), dann sollte man mit den Erwartungen an die  Effizienzsteigerung der hier veranstalteten Nutzungen etwas  vorsichtiger sein. Denn niemand wohnt gern in einem 20.000 ha großen  Genmaisfeld oder am Rand einer nicht enden wollenden Windkraftanlage.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kulturlandschaft.iale.de/?feed=rss2&amp;p=148</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>What makes Landscape valuable?</title>
		<link>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=141</link>
		<comments>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=141#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 08 Oct 2010 08:59:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitskreis-Archiv]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kulturlandschaft.iale.de/?p=141</guid>
		<description><![CDATA[Ecology, Art and Science – valuation and adding value The IALE conference, 2010. Kerry Morrison, UK In the introductory presentation about ecosystem services within the context of the theme of the conference, Felix Muller posed a number of questions including: Can we really compare (and add) the different monetary service values if they have been [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ecology, Art and Science – valuation and adding value</p>
<p>The IALE conference, 2010.</p>
<p>Kerry Morrison, UK</p>
<p>In the introductory presentation about ecosystem services within the context of the theme of the conference, Felix Muller posed a number of questions including:</p>
<p><strong>Can we really compare (and add) the different monetary service values if they have been quantified on the base of different methodologies?</strong></p>
<p>The ecosystem service provider groups; Supporting, Provisioning, Regulating and Cultural are all intrinsically interconnected, however, to measure the services within each category different methodologies are required – regardless of whether or not the monetary values can be compared. This is specifically the case for the category of Culture, where qualitative (Arts and Humanities and Social Sciences) as opposed to quantitative (Science) analysis is needed. So it does not come as a surprise that many scientists researching ecosystem services consider Culture the most difficult to measure. (Muller 2010)<a href="#_ftn1">[1]</a></p>
<p>The conference introduced the theme of art within the context of <em>What makes landscape valuable?:</em> <em>The relationship of art and landscape – from object of beauty to critical discourse</em>.</p>
<p>What role does, or can, art have within landscape ecology? The answer to this question depends much upon the type of art, how artists work (methodology) and what they produce (artefact or experience). There are as many different types of art practice as there are of scientific research. Art can no longer be defined into two simple categories: 2D (painting, drawing, photography etc.) and 3D (sculpture, installation, etc). Time (performance, film, sound, etc.) and process (the action of doing) are now within the melange. And this is before we even begin to discuss subject matter, inspiration, or venue (inside or outside).</p>
<p>If we assume that art has capacity within Ecosystem Services research, the next logical questions include:</p>
<p>How can art and science interface?</p>
<p>How can Art add ‘value’ to landscape (knowledge and appreciation)?</p>
<p>These questions began to be explored on the last day of the conference – but of course, as with many conferences, there was insufficient time to really begin to un-tap the myriad of art and science possibilities.</p>
<p>During the wine tasting evening some of us began to discuss the possibility of a follow-on event, a residential symposium to explore notions of art and science collaboration and interdisciplinary work.</p>
<p style="text-align: right;"><em>As we sipped and tasted the delights offered to us by a local wine grower/maker/producer, we quickly began to notice the effects of the alcohol – too quickly. We didn’t consume that much, there was a slops bucket on the table and after a few sips of the each wine, the remnants in our glasses were sloshed into the bucket. So how come we felt so tipsy? I have an unfounded and un-researched theory  &#8211; based on observation alone… This group of tasters were not passive recipients of wine and wine information – this group were relentlessly inquisitive and questioners…</em></p>
<p style="text-align: right;"><em>What soil type? – Discussion ensued.</em></p>
<p style="text-align: right;"><em>What’s the geology? – Discussion ensued.</em></p>
<p style="text-align: right;"><em>Corks or screw-tops? – Discussion ensued.</em></p>
<p style="text-align: right;"><em>How are the barrels made and what from? – Discussion ensued.</em></p>
<p style="text-align: right;"><em>The age of vines – Discussion ensued</em></p>
<p style="text-align: right;"><em>Complexity of grape aroma particles – Discussion ensued.</em></p>
<p style="text-align: right;"><em>I too was getting tipsy – so can’t recall all the repartee.</em></p>
<p style="text-align: right;"><em> My theory is this – If you use your brain whilst consuming alcohol you get drunk quicker.</em></p>
<p style="text-align: right;"><em> What I also gained from this brief encounter was that artists and scientists are similar creatures… engaged and engaging.</em></p>
<p>Artists and scientists are creative. They need to be in order to push the boundaries within their field and to contribute to ‘new knowledge’, although more often than not, the ‘new’ remains within the confines of their discipline. What makes art research and science research different is method: method of inquiry: method of ‘production’.</p>
<p>To concentrate on similarities is a good place to begin to explore the possibilities of art and science cohesion within Ecosystem Services Research, Landscape Ecology and Landscape Art.</p>
<p>There appears to be a need to develop a framework for multidisciplinary, interdisciplinary and transdisciplinary [art and science interface] research. The distinctions between and difference from traditional single disciplinary approaches requires consideration. Multidisciplinary is whereby individuals or groups working in different disciplines address the same issue, interdisciplinary is where an individual or a group work at the boundaries of traditional disciplines and often in gaps that emerge between disciplines, and transdisciplinary is whereby an individual or group uses knowledge from a number of disciplines to gain new insights<a href="#_ftn2">[2]</a>. Collaboration (<em>a recursive process where two or more people or organizations work together in an intersection of common goals &#8211; for example, an intellectual endeavor that is creative in nature &#8211; by sharing knowledge, learning and building consensus.</em><a href="#_ftn3">[3]</a>) can be multi, inter, or transdiciplinary.</p>
<p>Intellectualizing method is one thing, but putting methods into practice is entirely another thing. Where do you begin? How can artists and scientists come together to discover that there are mutual goals that benefit their own personal research?</p>
<p>And before any practical collaboration begins, both the artist and the scientist might want to question what’s in it for them? Kerry Morrison (artist) and Alicia Prowse (ecologist) have been collaborating for 8 years, and Prowse’s first response to Morrison’s request to work with her was, <em>Well, I can see what you might gain from this, but what’s in it for me?</em> She was referring to the fact that she had spent the past 6 years researching the impact of Himalayan balsam on native British flora and then along comes an artist wanting to ‘hijack’ her research for inspiration for a creative endeavor. This point of view can be flipped with the artist posing a similar question; having spent years developing an original practice why would I want to illustrate someone else’s research?</p>
<p>An artist, or a scientist, employing the services of the other is not the same as collaboration. Art using science or science using art is not disputed, but the interesting consideration is the possible impact and contribution to knowledge and research that collaborative inquiry may reveal.</p>
<p>To begin to explore notions of art and science collaborations, the idea of a follow on event was discussed between Lars Fisher, Kenneth Anders, Roman Lenz, Helmut Lemke, Kerry Morrison, Felix Muller, Benjamin Burkhard, Hubert Wiggering, Uta Steinhardtand Katharina Diehl. What could this be?  Where and when could it be? How could it be funded?</p>
<p><strong> </strong><strong><span style="text-decoration: underline;">Landscape Ecology and Landscape Art – A Practical Residential Symposium</span></strong></p>
<p>The word symposium has two meanings:</p>
<p>1.  A <a href="http://en.wiktionary.org/wiki/conference">conference</a> or other <a href="http://en.wiktionary.org/wiki/meeting">meeting</a> for discussing a particular subject<a href="#_ftn4">[4]</a>.</p>
<p>2. A <a href="http://en.wiktionary.org/wiki/drinking">drinking</a> <a href="http://en.wiktionary.org/wiki/party">party</a> held by ancient      Greeks for convivial conversation, particularly philosophical and <a href="http://en.wiktionary.org/wiki/intellectual">intellectual</a> <a href="http://en.wiktionary.org/wiki/discussion">discussion</a><a href="#_ftn5">[5]</a>.</p>
<p>Combining these two definitions and expanding upon them, what has been discussed is a residential situation whereby artists and ecologists explore the actual and real outdoor landscape. Artists and ecologists will put on their walking boots, go outside and investigate the landscape surrounding the symposium residence. What they look for and how they investigate will be at their own discretion, but one assumes that each individual will begin to focus on elements within that landscape that are relevant to their research in some way.</p>
<p>The purpose of the symposium is to bring together inquiring minds in a convivial situation and to facilitate initial dialogues and exchanges between artist and scientists. In order to create a situation conducive to conversation on an equal and jargon free basis (profession idioms could potentially inhibit clarity), simple tasks could be set to enable an initial period of elementary investigation, for example:</p>
<p>To Begin</p>
<ul>
<li>The      surrounding landscape could be divided into a number of sections defined      by biota or topography.</li>
<li>Participants      would choose an area to investigate.</li>
<li>Participants      could be asked to collect and bring back a set number of things that      caught their attention. (This could range from an actual object or      organism to notes, sketches, montages or photographs.)</li>
<li>At the      end of the first day, participants could ‘display’ their finds for all to      see.</li>
</ul>
<p>Following On</p>
<ul>
<li>Discussion – time spent listening to each investigator talk about the area they explored, what interested them and why, and explaining their collection of things.</li>
</ul>
<p>What this basic approach should enable is an equitable starting point: the outdoor landscape, and a basis for shared interests.</p>
<p>The hope would be that two or more people from different disciplines find themselves drawn to similar lines of inquiry. The aim will be that artist(s) and ecologist(s) begin to engage in dialogue and discover synergies.</p>
<p>The days could be filled with practical enquiry.</p>
<p>The evenings filled with discourse (alcohol optional).</p>
<p>It may be necessary to facilitate a practical symposium like this. This is a role that Kenneth and Lars would be well placed to deliver, consultants whose work and interests span landscape art and landscape ecology.</p>
<p>In addition, time could be set-aside for participants to present research, interests, or research dilemmas – early evening for example.</p>
<p>The symposium should be viewed as an incubator for new ideas and possibilities.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">When and where?</span></strong></p>
<p>Spring / summer 2011 for seven to ten days</p>
<p>The Albe region Biosphere Reservation could make and interesting and suitable location. Accommodation could be secured at the old army barracks.</p>
<p>The other possibility is to go to the Oderbruch, where Kenneth &amp; Lars could give an interesting framework with their Project Oderbruchpavillon.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;"> </span></strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Cost?</span></strong></p>
<p>Would this be an event that people would be willing to self-fund? If people are willing to pay their way, cost of travel, food and accommodation, then organizing a symposium could be quite simple and straightforward.</p>
<table cellspacing="0" cellpadding="0" align="left">
<tbody>
<tr>
<td width="105" height="2"></td>
</tr>
<tr>
<td></td>
<td></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>There seemed to be a genuine interest in extending the conference theme into another more discursive event.</p>
<p>The above has been written to outline some ideas and to begin a discourse…</p>
<hr size="1" /><a href="#_ftnref1">[1]</a> Muller 2010, <em>Landschaftsbewertung auf der Basis von Ecosystem Services – </em></p>
<p><em>Möglichkeiten und Grenzen. IALE-D 2010 Was macht Landschaft wertvoll? </em>Nürtingen, Germany.</p>
<p><em> </em></p>
<p><a href="#_ftnref2">[2]</a> James. P. <em>et al </em>(2009) Towards an integrated understanding of green space in the European built environment.<em> Urban Forestry &amp; Urban Greening</em> 8 pp. 65-75</p>
<p><a href="#_ftnref3">[3]</a> Wikipedia definition, http://en.wikipedia.org/wiki/Collaboration</p>
<p><a href="#_ftnref4">[4]</a> 2003. Shorter Oxford English Dictionary. Volume 2. N-Z.  Fifth edition. Oxford University Press.</p>
<p><a href="#_ftnref5">[5]</a> <em>Ibid</em>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kulturlandschaft.iale.de/?feed=rss2&amp;p=141</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die 10. Jahrestagung der IALE &#8211; D &#8211; Was macht Landschaft wertvoll?</title>
		<link>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=55</link>
		<comments>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=55#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 28 Sep 2010 10:45:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitskreis-Archiv]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kulturlandschaft.iale.de/?p=55</guid>
		<description><![CDATA[Zeit: 22.-25. September 2010 Ort: Hochschule für Wirtschaft und Umwelt; Standort Hauber Areal K V, Sigmaringer Str. 14, Nürtingen &#60;&#62; Mittwoch, 22. September, 2010 13:30 Anreise und Registration 14:15 Roman Lenz (HfWU Nürtingen-Geislingen) und Silvia Weidenbacher (Verband der Region Stuttgart): Begrüßung und Einführung in die 10. Jahrestagung der IALE-D 15.00 Plenarvortrag, Walter Radermacher (EUROSTAT): Wertschätzung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="../wp-content/uploads/2009/12/058.jpg"></a></p>
<p>Zeit: 22.-25. September 2010</p>
<p>Ort: Hochschule für Wirtschaft und Umwelt; Standort Hauber Areal K V, Sigmaringer Str. 14, Nürtingen</p>
<p>&lt;&gt;</p>
<p><span id="more-55"></span></p>
<p><strong>Mittwoch, 22. September, 2010</strong></p>
<ul>
<li>13:30 Anreise und Registration</li>
<li><em>14:15 </em>Roman Lenz (HfWU Nürtingen-Geislingen) und Silvia  Weidenbacher (Verband der Region Stuttgart): Begrüßung und Einführung in  die 10. Jahrestagung der IALE-D</li>
<li><em>15.00 </em>Plenarvortrag<em>, </em>Walter Radermacher (EUROSTAT): Wertschätzung oder Wert-Schätzung? Natur in den Umweltökonomischen Gesamtrechnungen</li>
<li>16.00 Kaffeepause</li>
<li>16.30 Einführung in die Fachbeiträge und die künstlerische  Einbettung: Kenneth Anders u.a. (Für den Vorstand IALE-D u.a.): Was  macht Landschaft wertvoll? Begleitung der Tagung durch die Künstler  Christiane Wartenberg und Robert Lenz</li>
</ul>
<p>18.00 Mitgliederversammlung IALE-D</p>
<p>&lt;&gt;</p>
<p><strong>Donnerstag, 23. September, 2010</strong></p>
<p><strong><em>09:00 – 12:30 Fachbeitrag Landschaftsbewertung und Ecosystem Services</em></strong></p>
<ul>
<li>Felix Müller u.a. (Universität Kiel): Landschaftsbewertung auf der Basis von Ecosystem Services – Möglichkeiten und Grenzen</li>
<li>Dietwald Gruehn (TU Dortmund): Validity of Landscape Function Assessment for Landscape and Environmental Planning</li>
<li>Benjamin Burkhard u.a. (Universität Kiel): Was macht Seeschaft wertvoll? – Bewertung neuer Meeresnutzungen</li>
<li>Franziska Kroll u.a. (Universität Kiel): Landschaftsbewertung durch  die Quantifizierung des Nachfrage/Bereitstellungs-Verhältnisses von  Ecosystem Services in Stadtregionen</li>
<li>Uta Schirpke u.a. (Institut für Alpine Umwelt, Bozen): Landschaftswandel und touristisches Potential in einem Alpental</li>
<li>Bettina Ohnesorge (Berlin-Brandenburgische Akademie der  Wissenschaften): Monitoring von Ökosystemleistungen in  Biosphärenreservaten – Entwicklung von räumlich expliziten Ansätzen auf  der Basis der Landnutzungsanalyse</li>
<li>Claudia Bieling (Universität Freiburg): Das Ungreifbare greifbar  machen: Beiträge der Kulturlandschaftsforschung zur Erfassung und  Bewertung kultureller Ökosystemleistungen</li>
</ul>
<p>&lt;&gt;</p>
<p><strong><em>14:00 – 17:30     Fachbeitrag Regionale Veredelung</em></strong></p>
<ul>
<li>Kenneth Anders; Roman Lenz (Büro für Landschaftskommunikation; HfWU Nürtingen-Geislingen): Einführung</li>
<li>Michael Baldenhofer (PLENUM Westlicher Bodensee): PLENUM – Regionale Wertschöpfung mit Mehrwert für Mensch, Natur und Landschaft</li>
<li>Christian Hiß (Regionalwert AG Freiburg): Die sozial-ökologische Wertschöpfung der Landwirtschaft</li>
<li>Ralf Kirchner-Hessler (Universität Hohenheim): Streuobstschlüssel – Erfassung von Streuobstwiesen mit Akteuren</li>
<li>Franka Papendiek u.a. (ZALF Müncheberg): Bioraffinerien &#8211; Verlagerung der Veredelung von Biomasse in den ländlichen Raum</li>
<li>Kenneth Anders u.a. (Büro für Landschaftskommunikation) &#8211; Am Rande des Marktes – über Triebkräfte regionaler Wertschöpfungen</li>
</ul>
<p>&lt;&gt;<strong><br />
</strong></p>
<p><strong><em>9.00 – 12:30        Fachbeitrag Biodiversität</em></strong></p>
<ul>
<li>Ulrich Walz (IÖR Dresden): Biodiversität – Eine Einführung</li>
<li>Siegmar Thomas (TU Dresden): Reliefvielfalt – Basis der Biodiversität</li>
<li>Swen Renner u.a. (Universität Ulm): Landscape level changes and  their impact on monitoring of the “Exploratories for Functional  Biodiversity Research” on the Schwäbische Alb</li>
<li>Michael Rudner (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg): Zur Quantifizierung der Biodiversität in Landschaften</li>
<li>Monika Wulf u. Hendrik Rujner (ZALF Müncheberg): Historische und  aktuelle Waldvegetation im Vergleich: Hat sich die Artenvielfalt  verändert?</li>
<li>Witold Arndt (Westfälische Wilhelms-Universität Münster): Ein  Fallbeispiel &#8211; Zur Diversität von Kleinsäugern und den Funktionen eines  Landschaftselements</li>
<li>Uta Eser (HfWU Nürtingen-Geislingen): Tauschwert – Nutzwert –  Eigenwert: Wie unterschiedliche Wertkonzepte die Diskussion um den Wert  der biologischen Vielfalt verwirren</li>
</ul>
<p>&lt;&gt;</p>
<p><em><strong> </strong></em><strong><em>14:00 – 17:30     Fachbeitrag Planung und Bewertung</em></strong></p>
<ul>
<li>Isabel Augenstein, Stephan Pauleit (TU München-Weihenstephan): Einführung</li>
<li>Patrick Thur u. Sven Knothe (Hochschule für nachhaltige Entwicklung  Eberswalde): Klimaadaptierte Regionalplanung in den Regionen  Uckermark-Barnim und Lausitz-Spreewald</li>
<li>Julia Balko u.a. (HfWU Nürtingen-Geislingen; Hochschule für  Forstwirtschaft, Rottenburg): “Renewable Energy Concepts”  Regionalisierte Biomassekonzepte im ländlichen Raum</li>
<li>Gisela Kangler (TU München Weihenstephan): Wildflüsse – bedrohlich  oder bedroht? Analyse unterschiedlicher gesellschaftlicher Bewertungen  in der Fließgewässerentwicklung</li>
<li>Jenny Schmidt (Westfälische-Wilhelms-Universitär Münster): Kann die  Bereitstellung von Informationen Kleinbauern in Subsahara Afrika helfen,  Landschaften nachhaltig zu nutzen?</li>
<li>Werner Rolf u.a. (HfWU Nürtingen-Geislingen): Entwicklung eines  Werkzeugkastens zur Biogeographischen Regionalisierung  mitteleuropäischer Kulturlandschaften</li>
</ul>
<p>&lt;&gt;</p>
<p><strong><em>Ab 18:30 Abendprogramm im Hotel am Schloßberg (Anmeldung erforderlich)</em></strong></p>
<ul>
<li><strong><em> </em></strong>Kurze Ansprachen zu den Jubiläen</li>
<li>Werner Ziegler (Rektor HfWU Nürtingen-Geislingen): Begrüßung</li>
<li>Felix Müller: 10 Jahre IALE-D – kurzer Rück- und Ausblick</li>
<li>Konrad Reidl: 20 Jahre Institut für Angewandte Forschung (IAF) an der HfWU Nürtingen-Geislingen</li>
<li>Abendessen mit regionalen Spezialitäten</li>
</ul>
<p>&lt;&gt;</p>
<p><strong>Freitag, 24. September, 2010</strong></p>
<p><strong><em>09:00 – 12:00     Fachbeitrag Kunst und Landschaft</em></strong></p>
<ul>
<li>Lars Fischer u. Kenneth Anders (Büro für Landschaftskommunikation):  Zwischen schönem Beiwerk und ästhetischer Kritik – zum Verhältnis von  Kunst und Landschaft</li>
<li>Helmut Lemke (University of Salford): …über den hörwert… Der Klang als WERT einer Landschaft, eines Ortes, einer Umgebung</li>
<li>Oliver Thaßler (Universität Kassel): Assoziative Landschaften des  Ostseeraums – Räumliche Präferenzen der Landschaftsmalerei auf den  Inseln Rügen, Hiddensee und Vilm</li>
<li>Karsten Wittke (Institut zur Entwicklung des ländlichen Kulturraums, Baruth): Der Ort Baruth und das I-KU</li>
<li>Kerry Morrison u. Alicia Prowse (University of Salford): Unmanaged  urban green environments – uses, perceptions and integrating  transdisciplinary approaches within urban regeneration</li>
</ul>
<p>&lt;&gt;</p>
<p><strong><em>09:00 – 12:00     Fachbeitrag Tourismus und Erholung</em></strong></p>
<ul>
<li>Uta Steinhardt (Hochschule für Nachhaltige Entwicklung, Eberswalde): Einführung</li>
<li>Angelika Wolf u. Elisabeth Appel-Kummer (Hochschule Ostwestfalen-Lippe): Grundprinzipien für touristische Entwicklungskonzepte</li>
<li>Stefan Büchner (Naturschutzzentrum Südschwarzwald): Naturschutz und  Tourismus – unvereinbare Gegensätze? Erfahrungen von einem neuralgischen  Punkt</li>
<li>Frank Roser (Universität Stuttgart): Ist die Schönheit der  Landschaft berechenbar? Entwicklung einer Methode für die großflächige  Bewertung des Landschaftsbildes</li>
<li>Heidi Megerle u. Renate Schrembs (Hochschule für Forstwirtschaft,  Rottenburg): Chancen und Risiken geotouristischer Inwertsetzung</li>
<li>Maria Carstens u. Claudia Bieling (Universität Freiburg):  Inwertsetzung der Landschaft durch den Tourismus – eine Analyse am  Beispiel der Biosphärenreservate Schwäbische Alb und Oberlausitzer  Heide- und Teichlandschaft</li>
</ul>
<p>&lt;&gt;</p>
<p>12.00 Plenarvortrag Rudolf de Groot (Univ. Wageningen, NL): On the  Economics of Ecosystems and Biodiversity: protecting valuable landscapes  pays</p>
<p>13.00 Mittagspause</p>
<p>14.30 Zusammenfassung und Ausblick</p>
<ul>
<li>Hubert Wiggering u.a. (ZALF Müncheberg; u.a.): Was macht Landschaft wertvoll? – Eindrücke aus den Fachbeiträgen</li>
<li>Kenneth Anders u.a. (Büro für Landschaftskommunikation; u.a.): Ergebnisse der Kunstbegleitung</li>
</ul>
<p><em>16.00 Rahmenprogramm mit Stadtführung und Weinprobe</em></p>
<p>&lt;&gt;</p>
<p><strong>Samstag, 25. September, 2010</strong></p>
<p><em>Exkursion (Anmeldung erforderlich)</em></p>
<ul>
<li>08:30 Abfahrt</li>
<li>10:00 Biosphärengebiet Schwäbische Alb</li>
<li>11:00 Biodiversitätsexploratorien der DFG</li>
<li>12:30 Mittagessen</li>
<li>14:00 Pumpstation Teurigshofen</li>
<li>15:30 Hohle Fels</li>
<li>18:00 Rückkehr</li>
</ul>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kulturlandschaft.iale.de/?feed=rss2&amp;p=55</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Susan Beth Pfeffer: Die Welt wie wir sie kannten</title>
		<link>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=43</link>
		<comments>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=43#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 09 Aug 2010 09:27:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchbesprechungen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kulturlandschaft.iale.de/?p=43</guid>
		<description><![CDATA[Roman. Aus dem Englischen von Annette von der Weppen. Carlsen Verlag Hamburg, 2010 Obwohl der Roman wie ein waschechtes Jugendbuch geschrieben ist – als Tagebuch eines sechzehnjährigen Mädchens in Philadelphia – entfaltet er in einer bemerkenswerten Dichte zivilisatorische Ängste. Die Geschichte beginnt mit Sprachwitz und Sinn für die Sorgen einer amerikanischen Highschoolschülerin. Miranda erzählt über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Roman. Aus dem Englischen von Annette von der Weppen. Carlsen Verlag Hamburg, 2010</p>
<p>Obwohl der Roman wie ein waschechtes Jugendbuch geschrieben ist – als Tagebuch eines sechzehnjährigen Mädchens in Philadelphia – entfaltet er in einer bemerkenswerten Dichte zivilisatorische Ängste. Die Geschichte beginnt mit Sprachwitz und Sinn für die Sorgen einer amerikanischen Highschoolschülerin. Miranda erzählt über ihre alltäglichen Sorgen: Der geschiedene Vater ist weit weg und gründet gerade eine neue Familie, der geliebte große Bruder ist zum Studium ebenfalls außer Haus. Gemeinsam mit der Mutter und dem kleinen Bruder erlebt sie die Konflikte einer amerikanischen Kleinstadtjugend: Eine Freundin ist in der evangelikalen Kirche entrückt, die andere steckt mitten in den ersten sexuellen Abenteuern, Miranda selbst wird von Unsicherheiten geplagt. Da passiert das Unvorstellbare: ein Komet schlägt auf dem Mond ein und verändert dessen Umlaufbahn. Während die Leute noch auf der Straße stehen, um das astronomische Ereignis wie eine der üblichen Sonnenfinsternisse zu bewundern, nimmt die Katastrophe ihren Lauf: Tsunamis, Erdbeben und eine nicht enden wollende Vulkantätigkeit setzten die amerikanischen Küsten unter Wasser, verdüstern die Atmosphäre, fordern Millionen Tote und beenden mit einem Schlag das globale Wirtschaftsleben.</p>
<p>Was zunächst wie eine allzu steile Ausgangsidee daherkommt, wird nun als ein Science-Fiction-Kammerspiel mit großer Sorgfalt durchgespielt. Im Mittelpunkt steht das Energieproblem. Erdöl und Erdgas versiegen bald, nach den sofort einsetzenden Hamsterkäufen in den Supermärkten kommt die Lebensmittelversorgung völlig zum Erliegen. Bald setzt auch die Stromversorgung aus und schließlich versiegt sogar der mediale Informationsfluss: Das Telefon ist tot, das Internet entfällt mit der Elektrizität, aus dem Kofferradio dringt nur noch ein Rauschen. Alle gesellschaftlichen Systeme brechen zusammen, irgendwann bleibt die Post zu, die Schulen geben den Betrieb überwiegend auf, das Krankenhaus schließt nach einer verheerenden Grippeepidemie, die nochmals viele Tote fordert. Viele Familien schlagen sich in den Süden durch, wo es besser sein soll, die Vereinigten Staaten fallen jedoch auseinander und bewachen ihre Grenzen mit militärischem Aufwand, Flüchtlingscamps entstehen mitten in den USA. Die Häuser, in denen die Bewohner verendet sind, werden sofort geplündert, das staatliche Gewaltmonopol lässt nichts mehr von sich hören. Miranda steht mit ihrer Familie vor der Aufgabe, in der ungewissen Hoffnung auf eine Besserung der Situation die Wintermonate mit den gehorteten Konserven zu überleben. Das Leben kreist um immer knapper werdende Fertigsuppen, Dosengemüse, Aspirin, Batterien und Brennholz. Schokolade wird zu einem unvorstellbaren energetischen Luxus. Der Kontakt zu den fernen Angehörigen, so sie nicht gestorben sind, bricht ab. Man begleitet die Familie in ihren Ängsten und sieht ihnen beim täglichen Hungern zu: Immer weiter schränken sie ihre Mahlzeiten ein, immer enger müssen sie im Haus um den einzigen Ofen zusammenrücken, der ihnen im Gegensatz zu anderen Haushalten einen großen Überlebensvorteil sichert. Der tägliche Aktionsradius wird in Kälte und Schnee immer kleiner, es fehlt jede greifbare Hoffnung, Angst bestimmt den Alltag. Mitunter gibt es Freuden: eine wundersam auftauchende Schachtel Pralinen als Geburtstagsgeschenk für die Mutter, die abendlichen Spiele, das gemeinsame Singen, weil man die sich immer weiter ausbreitende Stille sonst kaum noch ertragen würde. Die Kinder werden in wenigen Monaten erwachsen und sie lernen, sich und ihr Leben inmitten der Not zu lieben. Je leerer es in der Speisekammer wird, umso klarer wird dieses Vermögen, trotz der Verzweiflung persönliches Glück zu empfinden. Zuweilen ist man an Berichte von Zeitgenossen früherer Entbehrungen erinnert.</p>
<p>Ob sich ein katastrophaler Zusammenbruch Weltwirtschaft wirklich in der beschriebenen Weise auswirken würde, kann man in einigen Punkten bezweifeln. So ist z.B. Annahme, dass sich die Familien wie kleine Trutzburgen mit ihren Vorräten gegeneinander vollkommen abgrenzen und isolieren, in einigen Hinsichten fragwürdig. Der Roman verzichtet auf spontane außerfamiliäre Lern- und Kommunikationsprozesse, auch werden spontane Resozialisationen, von denen bestimmt einige zu erwarten wären, nicht durchgespielt. So könnte man ebenso mit einer schnellen Reaktivierung regionaler Tausch- und Handelsbeziehungen rechnen wie auch mit der Herausbildung – wahrscheinlich unangenehmer &#8211; lokaler Herrschaftsformen, da das staatliche Gewaltmonopol nicht mehr herrscht. Lediglich die Gefahr von räuberischen Übergriffen  wird plastisch beschrieben.</p>
<p>Diese Fragen sind spannend, denn ein viele der Systeme, in denen wir heute leben, basieren eben auf der energetischen Absicherung überregionaler Versorgungs- und Informationsströme, ihr Zusammenbruch würde lokal sehr verschiedene Folgen zeitigen. Allerdings wäre es verfehlt, der Autorin diese Konzentration auf eine Kleinfamilie zum Vorwurf zu machen. Ihr ist mit gut beschriebenen Protagonisten ein eindrückliches Bild gelungen, dass uns vor Augen führt, was von unserer Welt übrig bleibt, wenn sich der Tropf, an den wir sie angeschlossen haben, schließt: fast nichts, fürs erste jedenfalls. Wem immer die Behaglichkeit der Hobbits im Auenland als aussichtsreiche Perspektive für die Epoche der Nachhaltigkeit erscheint, muss sich darauf einstellen, dass es einige Generationen braucht, bis man sie vielleicht erreicht hat. Bis dahin ist das Leben eher trostlos – und ziemlich gefährlich.</p>
<p>Kenneth Anders</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kulturlandschaft.iale.de/?feed=rss2&amp;p=43</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Mikael Niemi: Der Mann, der starb, wie ein Lachs</title>
		<link>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=41</link>
		<comments>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=41#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 09 Aug 2010 09:21:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchbesprechungen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kulturlandschaft.iale.de/?p=41</guid>
		<description><![CDATA[Roman. Aus dem Schwedischen von Dr. Christel Hildebrandt. btb-Verlag 2009 In seinem Erstlingswerk „Popularmusik aus Vittula“ hatte Niemi seine  Heimatregion, das nordschwedische Tornedal, wie durch ein Kaleidoskop beschrieben. Mannigfache Eindrücke wurden hier wiedergegeben, manche sind abgründig, andere komisch und wieder andere rätselhaft, alle sind durch die Perspektive der Kindheit bestimmt. „Der Mann, der starb wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Roman. Aus dem Schwedischen von Dr. Christel Hildebrandt. btb-Verlag 2009</p>
<p>In seinem Erstlingswerk „Popularmusik aus Vittula“ hatte Niemi seine  Heimatregion, das nordschwedische Tornedal, wie durch ein Kaleidoskop beschrieben. Mannigfache Eindrücke wurden hier wiedergegeben, manche sind abgründig, andere komisch und wieder andere rätselhaft, alle sind durch die Perspektive der Kindheit bestimmt. „Der Mann, der starb wie ein Lachs“ wirft dagegen einen wesentlich politischeren Blick auf diese Region und bedient sich dafür der Kriminalgeschichte.</p>
<p>Zentrales Thema ist der hier gesprochene Dialekt, das Miänkeli, das als finnische Mundart durch lokalen Gebrauch und zahlreiche Lehnwörter aus dem Schwedischen geprägt ist. Obwohl das Tornedal de facto „immer“ zu Schweden gehört hat, steckt die Bevölkerung in einem komplizierten Minderheitenkonflikt, der vor allem durch diese Sprache vermittelt ist. Die Anerkennung ihrer Kultur wurde im Reichsschweden Jahrhunderte lang verweigert. In den Schulen wurde nur Schwedisch unterrichtet, die Minderheit fühlte sich gerade in ihrer Muttersprache minderwertig. Der vom Nationalstaat ausgeübte Druck zeitigte über die Jahrzehnte Wirkung: Viele Tornedaler ließen ihre finnischen Namen ins Schwedische übersetzen und erzogen ihre Kinder in Schwedischer Sprache, die sie selbst nur mühsam angelernt hatten. Dadurch gehen viele Bedeutungen und Facetten der Landschaft und ihrer Lebensart verloren, nicht zuletzt die Wärme und Sicherheit der Muttersprache. Die Rehabilitation des Miänkeli in der Gegenwart kommt für Vieles und Viele zu spät: Die Kinder der dritten Generation beherrschen es kaum noch, entsprechend dem allgemeinen demografischen Trend träumen sie von Stockholm und der weiten Welt und zeigen kaum Bedürfnisse an den lokalen Ausdrucksformen. Niemi gelingt es in seiner Kriminalgeschichte, den damit verbundenen Verlust greifbar zu machen und in einer mythologischen Verdichtung eine atemberaubende Brücke zwischen Landschaft, Mensch und Sprache zu schlagen.</p>
<p>Ein alter Mann ist ermordet worden – auf martialische Weise aufgeschlitzt mit einem Lachsspieß. Die polizeilichen Untersuchungen stoßen auf zwei Fährten – entweder ist ein trivialer – wenn auch brutaler – Raubmord vorgefallen oder das Verbrechen hat etwas mit der ermordeten Person selbst und ihrer Stellung im Tornedal zu tun. Alle Nachforschungen zur Geschichte dieses Martin Udde führen in einen Sumpf an Schuld und Versagen. Die Ballung an Bösem, die dem Ermordeten schließlich anhaftet, ist kaum zu überreffen: Als Lehrer, Mitarbeiter der Jugendfürsorge und schließlich sogar beim Zoll hat Udde sein Unwesen getrieben und sich in der Region zu einer verhassten Person entwickelt. Seine tornedaler Wurzeln hat er wie mit dem Teufel ausgetrieben, um sie anschließend auch den ihm anvertrauten Menschen auf grausame und demütigende Weise zu nehmen. Dass er sogar Kinder misshandelt hat, scheint für einen plausiblen Krimi schon zu stark, aber Udde ist keine realistische Figur – er ist eher ein mythischer Agent des schwedischen Nationalstaates, der die Menschen dieser entlegenen Landschaft unterdrückt und vergewaltigt und ihnen ihre Lebensader abschneidet.</p>
<p>Dieser Figur ist eine noch stärker mythisch überhöhte Gestalt entgegengesetzt – ein Phantom, Uddes heimlicher Sohn, von seiner schamanistischen Mutter jenseits von Schule, Dorfgemeinschaft  und Öffentlichkeit zum einzigen freien Tornedaler erzogen worden. Diese Gestalt wird in dem Roman kaum mehr greifbar – in einem dunkeln Dachzimmer wohnt sie, taucht in Stockholm auf, ist überall und nirgends, vereint in sich das ambivalente Potential dieser Kultur, nach der erlittenen Vergangenheit als Monster oder aber auch als Lichtgestalt in Erscheinung zu treten.</p>
<p>Leichter ist dieser Konflikt anhand zweier anderer Figuren zu beschreiben. Auf der einen Seite die Stockholmer Polizeibeamte Therese, die sich zunächst als fitnessgestählt und etwas arrogant in den Ermittlungen aufbaut, auf der anderen Seite Esaias, ein Torndedaler, der zunächst selbst zu den Verdächtigten gehört und der für die Wiederaneignung der eigenen Tradition in Sprache und Landschaftsbezug durch eine jünger Generation steht.</p>
<p>Dass die beiden ein Liebespaar werden, deutet die Perspektive an, die Neimi schließlich geradezu utopisch im Ausgang des Kriminalfalls projiziert. Am Ende kommen fast alle Figuren des Romans in einem Tanzfest zusammen. Nach und nach geben sie ihre Identität preis – und entpuppen sich letztlich alle als Torndedaler. Stadt und Land, Reichsschweden und Provinz, Welt und Dorf finden schließlich zueinander und der wahre Mörder bleibt wohl ungesühnt, weil es dem Recht für dieses Mal die Sprache verschlägt. Bei Niemi sind so viele spannende Figuren und Anekdoten in einer mythischen Überhöhung zusammengeführt, dass man diesen Ausblick nicht als Happy End, sondern als kulturelles Projekt anerkennen kann. Denn die offenen Fragen, die Schuld und die Ratlosigkeit, was denn wohl aus einer Region wie dem Tornedal werden mag, nachdem man es beinahe all seiner Spezifik beraubt hat, um es zu einem ordentlichen Teil des modernen Nationalstaates zu machen, überwiegen trotz allem.</p>
<p>Darin beweist der Roman seine Bedeutung über das Lokalkolorit hinaus: Die Provinzen, nachdem, sie unerbittlich verschlungen und begradigt worden sind, werden heute wieder ausgespieen und sich selbst überlassen. Der Erfolg der nationalen Angleichung ist letztlich der, dass die Menschen aus diesen Landstrichen wegziehen wollen: in die Metropolen, wo sich die vermittelten Werte am besten leben lassen. Diese Regionen, egal ob in Schweden oder anderswo, benötigen ihre Traditionen, um ihren Ort in der Welt neu zu finden. Aber sie brauchen auch die Teilhabe an den Gesellschaften jenseits der eigenen Region, um nicht im Verhängnis der Geschichte und der Enge des eigenen Mangels zu ersticken.</p>
<p>Kenneth Anders (2010)</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kulturlandschaft.iale.de/?feed=rss2&amp;p=41</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die schwere Kolonie. Das Oderbruch.</title>
		<link>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=24</link>
		<comments>http://kulturlandschaft.iale.de/?p=24#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 09 Dec 2009 09:05:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst und Landschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://kulturlandschaft.iale.de/2009/12/09/die-schwere-kolonie-das-oderbruch/</guid>
		<description><![CDATA[Gemüsegarten Berlins und Paradies für Raumpioniere. Collage aus einer Landschaft in Berlins naher Ferne Hintergrund „Kulturland Brandenburg“ förderte 2008 Projekte, die Berlin-Brandenburgische Landschaften unter dem Leitmotiv „Provinz und Metropole – Metropole und Provinz“ verarbeiten. Gemeinsam mit Andreas Röhring vom Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) realisierte das Büro für Landschaftskommunikation eine Bühnencollage, die die besondere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gemüsegarten Berlins und Paradies für Raumpioniere. Collage aus einer Landschaft in Berlins naher Ferne</p>
<p>Hintergrund<br />
„Kulturland Brandenburg“ förderte 2008 Projekte, die Berlin-Brandenburgische Landschaften unter dem Leitmotiv „Provinz und Metropole – Metropole und Provinz“ verarbeiten. Gemeinsam mit Andreas Röhring vom Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) realisierte das Büro für Landschaftskommunikation eine Bühnencollage, die die besondere Beziehung des Oderbruchs zur Stadt und zu staatlicher Obrigkeit in Potsdam und Berlin verdichten sollte. Dabei entstand eine Bühnenproduktion aus Theater, Bild- und Soundcollage. Für diese Entscheidung sprach vor allem die Erfahrung, dass sich Konflikte in der Landschaft besser in Form von Geschichten kommunizieren lassen.</p>
<p class="MsoNormal"><span id="more-24"></span></p>
<p class="MsoNormal"><img src="http://kulturlandschaft.iale.de/wp-content/uploads/2009/12/01021.jpg" alt="01021.jpg" /></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Der Konflikt &#8211; Preußens spezielle Provinz</p>
<p class="MsoNormal">Das Oderbruch ist eine vom preußischen Staat gemachte Landschaft – es verdankt sich einem der größten Eingriffe in den Naturraum des 18. Jahrhunderts. Seither ist der Staat in der Pflicht: Der hohe technische und soziale Regulierungsaufwand für die Landschaft zieht sich durch die Jahrhunderte. Die besondere Rolle des Staates für die Landschaft war so lange unproblematisch, wie diese die Metropole direkt mit Nahrungsmitteln versorgte. Durch die Globalisierung des Agrarmarktes lockert sich jedoch diese Abhängigkeit der Stadt vom Land. Seither ist das Oderbruch besorgt um die zukünftige Schirmherrschaft des Staates.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><img src="http://kulturlandschaft.iale.de/wp-content/uploads/2009/12/078.jpg" alt="078.jpg" /></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die Geschichte – ein politischer Festakt</p>
<p class="MsoNormal">Die Collage wählte folgende dramaturgische Grundidee: Oderbruch 2022 &#8211; zum 275. Jahrestag der Trockenlegung stehen Feierlichkeiten ins Haus. Politische Prominenz wird erwartet, wichtige Reden sollen gehalten werden. Aber wer soll sie schreiben?</p>
<p class="MsoNormal">In der Berlin-Brandenburgischen Staatskanzlei muss ein Referent des Umweltministeriums die richtigen Worte finden: Karl-Friedrich Koenig. Er stammt aus dem Oderbruch, er kennt die Sorgen und Hoffnungen der Provinz. Aber er darf nicht zuviel versprechen. Die Rede seines Ministers soll den Oderbrüchern schonend klar machen, dass die Leute ihre Landschaft selbst in die Hand nehmen müssen. So etwas zu sagen, ohne jemandem weh zu tun, ist nicht leicht.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><img src="http://kulturlandschaft.iale.de/wp-content/uploads/2009/12/058.jpg" alt="058.jpg" /></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Auch die Oderbrücher selbst wollen sich äußern. Hier beauftragt man den Sproß einer alten Kolonistenfamilie mit der schweren Bürde &#8211; Marcel Bruchmüller. Er soll die richtigen Worte finden, wenn es darum geht, die Sorgen und Nöte in der Provinz zu schildern und den Staat an seine besondere Verantwortung gegenüber dem Oderbruch zu erinnern. Die Aufgabe fällt ihm nicht leicht. Statt einer geschliffenen Rede erfährt das Publikum, wie mühsam die Kolonisten in knapp drei Jahrhunderten versucht haben, ihr Leben in Sicherheit und Selbstbestimmung zu führen.</p>
<p class="MsoNormal">Die möglichen Überlegungen und Abwägungen, auch die Frustrationen und Hoffnungen der Redenschreiber werden von einem Sprecher paraphrasiert. Der Text setzt sich aus einer Vielzahl an historischen Zitaten zusammen, die das Verhältnis des Oderbruchs zur Metropole verdeutlichen.<span> </span>Die Zitate werden in Stummfilmmanier eingeblendet. Dazu werden Fotos gezeigt, die das Oderbruch als eine Landschaft voller Geschichte und Widersprüche zeigen.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><img src="http://kulturlandschaft.iale.de/wp-content/uploads/2009/12/103.jpg" alt="103.jpg" /></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die abschließende Rede des Ministers zum Festakt geht in einer Sound- und Bildcollage unter. Die graustufig zurückgesetzten Bilder enthalten einzelne farbige Elemente.<span> </span>Die Geräusche des Oderbruchs reichen vom Maschinenlärm der Trecker, der Krautungsmaschinen und der Hubschrauber im Katastrophenfall bis zum scheppernden Gesang der Grauammer. Die Rhetorik verstummt: Hinhören, Hinsehen.</p>
<p class="MsoNormal">Der Text der Collage ist nachzulesen auf: www.oderbruchpavillon.de</p>
<p class="MsoNormal">Mitwirkende: Kenneth Anders, Lars Fischer, Andreas Röhring, Almut Undisz und Sebastian Undisz</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://kulturlandschaft.iale.de/?feed=rss2&amp;p=24</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
<!-- WP Super Cache is installed but broken. The path to wp-cache-phase1.php in wp-content/advanced-cache.php must be fixed! -->
