Christian Uhlig: Verlandet

Installation aus sechs Holzbooten, Eichenholz und Text; Höhe 4,5 m, Länge 3,5 m; Standort: Freisnecksee bei Waren/Müritz, 1994 (2005 demontiert).

Die Installation VERLANDET am Westufer der Freisneck im Jahr 2004

Die Freisneck, wie der Freisnecksee in der Nähe des Warener Neubaugebietes Papenberg auch genannt wird, liegt im Nationalpark Müritz. Eine Gletscherzunge hat das Becken des Sees ausgearbeitet, an dessen Ufern Slawen siedelten, wie die Burgwallinsel belegt. Ursprünglich ohne oberirdische Zuflüsse entwässern heute über zum Teil künstliche Gräben eine Reihe von Seen in die Freisneck. Der Wasserspiegel wurde mehrmals, zuletzt im 19. Jahrhundert gemeinsam mit der Müritz, künstlich abgesenkt, was gut ausgebildete Absenkungsterrassen zeigen.

Auf einer dieser Terrassen am Westufer stand die Installation VERLANDET von Christian Uhlig. Sie war Teil des von 1992 bis 2000 organisierten Projektes „Kunstring am Müritz-Nationalpark“. Sechs an Land gebrachte Holzboote bilden den Kern der Arbeit, die sich mit der Nutzung des Sees und der seiner Perspektive als Teil einer Landschaft, in der sich in den nächsten Jahrzehnten vor allem Wildnis entwickeln soll, auseinandersetzt. Die Zukunft der Fischerei auf den Seen im Nationalpark – die Zukunft der Arbeit in der geschützten Landschaft überhaupt – war ebenso wie die Regulierung des Wasserregimes ein Thema in der Region. In diesem Zusammenhang steht die Installation.More…

Knappe Texte schlagen eine Brücke vom Kunstwerk zum Betrachter.

„Alle Boote auf dem Trockenen – abgestellt, ungenutzt, wertlos. Wo ist das Wasser, auf dem sie schwammen? Wer sind die Menschen, die sie nutzten? Wo ist die Arbeit, die die Menschen ernährte? Die Installation“, sprühte der Künstler Christian Uhlig aus Stegelitz/Uckermark in Druckbuchstaben auf die Planken der sechs aufgestellten Ruderboote über seine Arbeit, „ist Träger von Gedanken, Mittler zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Fragesteller. Der Bogen spannt sich vom Rückgang des Wasserspiegels insgesamt über dessen Ursachen bis zu sozialen und gesellschaftlichen Problemfeldern der jüngsten Zeit.“ Uhlig begreift VERLANDET als „Informationsträger und ästhetisches Fragezeichen“. Als wissensbasierter künstlerischer Kommentar zur Landschaft entfaltet die leider auf Grund ihres zunehmenden Zerfalls bereits demontierte Arbeit ihre Wirkung. Die Landschaft wird nicht aus formal-ästhetischen Gründen, wegen ihrer Gestalt oder Farbe etwa, als Kulisse für ein in sich abgeschlossenes Kunstwerk angenommen, sondern als Resonanzraum für die von der Installation ausgehenden Assoziationen zum Teil der Installation und damit zu etwas mehr oder weniger bewusst Gestaltetem. Durch diese Qualität öffnet sich VERLANDET für eine kulturlandschaftliche Auseinandersetzung.

Lars Fischer

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