Landschaft im Film: Into The Wild

Regie: Sean Penn, USA, 2007

Ein junger Mann bricht aus seiner Familie aus, verwischt alle Spuren und wird zum Tramp. Er verschenkt und verbrennt sein Geld, verlässt die Wohnung, versteckt das Auto und begibt sich in einen Rausch von Freiheit und Selbsterfahrung. Unter dem Pseudonym „Alexander Supertramp“ reist er per Anhalter und blinder Passagier über zwei Jahre durch die die Vereinigten Staaten.

Die Reise, anfangs ein scheinbar zielloses Streunen, hat eine Richtung – sie zielt nach Norden, nach Alaska: into the wild. Erzählt wird sie als ein kurzes Leben von Geburt, Jugend, Erwachsensein und Weisheit.

In dem Film spielt Landschaft eine bedeutende Rolle. Die amerikanischen Szenerien der Wüsten, der reißenden Flüsse, der schroffen Felsmassive und monumentalen Windkraftfelder sind von erhabenen Sonnenuntergängen beleuchtet. Die Städte erscheinen als Not leidende und Leiden verursachende Gegenwelt zu diesem mächtigen Panorama.

Was zunächst wie der romantische Kontrast eines Roadmovies anmutet, das durch die Nationalparke der Staaten zu führen scheint, offenbart im Verlaufe des Films eine abgründige Dynamik. Je offensichtlicher die seelische Not des Reisenden wird, umso weiter wird er in die verheißungsvolle Wildnis getrieben. Immer deutlicher tritt die Unfähigkeit hervor, seinen Eltern zu verzeihen – im selben Maße wächst die Sehnsucht nach völliger Unabhängigkeit, die jede menschliche Begegnung zum Abbruch drängt. Als Alexander seine Freiheit in Alaska endlich erlangt, verliert sich der Rückweg. Erst hier, in der letzten Konsequenz, im Tod, löst sich die Spannung.

Ein ungewöhnlicher und gekonnter filmästhetischer Umgang mit Landschaft – keine Robinsonade, keine bloße Kulisse. Die Landschaft wird Ausdruck der Seele – und so lange ein Raum der Einsamkeit, wie ihre soziale Dimension verschattet ist.

Kenneth Anders

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