AG kulturlandschaftliche Diskurse

Ein Anlauf zur Schärfung des Kulturlandschaftsbegriffes und zwei daraus abgeleitete Vorhaben

Freising, Oktober 2007

1. Begriffsbestimmung

Gemeinsam zum Thema Kulturlandschaft zu arbeiten ist schwierig, weil das Gegenstandsfeld unendlich ist. Man kann über die historische Prägung dieses spezifisch deutschen Wortes forschen, verschiedene Vorstellungen und Ideologien herausarbeiten, empfundene Handlungsräume beschreiben oder schlicht verschiedene menschlich besonders geprägte Räume inventarisieren. Ein gemeinsames Thema oder Problem liegt nicht vor, vielmehr gerät man mit der Rede von Kulturlandschaft in eine Reihe von Grauzonen, die nicht eben die wissenschaftliche Klarheit fördern: die fehlende Abgrenzung von „Kulturlandschaft“ und „Landschaft“, die ungeklärte normative Konnotation des Wortes und schließlich der reichhaltige semantische Hof (bestehend aus Heimat, Schönheit und Biedermeier). Sollte innerhalb der IALE unter einem solchen Begriff eine Arbeitsgruppe formiert werden, die in einen fruchtbaren Dialog zur Landschaftsökologie treten kann, verlangte dies eine Klärung.

Daraufhin stellten wir zehn Fragen an verschiedene IALE-Mitglieder um zu erfahren, wie sie das Wort Kulturlandschaft gebrauchen. Auf dieser Grundlage trafen sich Anfang April 2007 sieben Interessierte an der FH in Eberswalde (A. Artner, K. Anders, L. Fischer, R. Klenke, U. Steinhardt, G. Lutze, A. Vetter) und diskutierten. Im Ergebnis wagten wir eine hypothetische Zuspitzung des Kulturlandschaftsbegriffes, die Grundlage für weitere konkrete Vorhaben sein soll:

Die Unterscheidung ist einfach: Landschaft ist gegeben, Kulturlandschaft ist gewollt. Somit ist die Perspektive, die wir einnehmen, wenn wir von Kulturlandschaft sprechen, auf normative Ansprüche an den Raum gerichtet. Kulturlandschaft wird als überwiegend politischer Begriff verstanden, der nicht ohne normative Auseinandersetzungen denkbar ist. Die Wissenschaft kann diese normativen Auseinandersetzungen nicht entscheiden, sie sollte sie aber analysieren, begleiten und qualifizieren. Konflikte um die Landschaft im Sinne ihrer Gestaltung als menschliches Habitat sind notwendig und fruchtbar. Es gibt nicht die Kulturlandschaft, es gibt vielfältige Vorstellungen davon, wie der konkrete Raum als menschliches Habitat beschaffen sein sollte. Ein solches Verständnis erlaubt sowohl die Analyse materieller (absichtsvoll erhaltener bzw. gestalteter) Objekte als auch eine Analyse von Konflikten und Diskursen, in denen um die Legitimität der Gestaltungsansprüche gerungen wird.

2. Katalog kulturlandschaftlicher Konflikte

Auf dieser Basis wird die Anlage eines „Kataloges kulturlandschaftlicher Konflikte“ (KKK) vorgeschlagen. Dieser zielt auf Diskurse, wobei sich zeigen wird, inwiefern sich die zu beschreibenden Konflikte auf konkrete materielle Objekte und Strukturen (Bauwerke, Straßen, Wälder etc.) beziehen. Der „KKK“ sollte als Einstieg in dieses bislang kaum erschlossene Problemfeld verstanden werden. Es wird dazu eingeladen, zu kulturlandschaftlichen Auseinandersetzungen, die den Mitwirkenden aus ihrer Forschungstätigkeit bzw. aus persönlicher Erfahrung vertraut sind, knappe Steckbriefe anzufertigen. Hier soll geschildert werden, auf welche Gegenstände sich die Konflikte beziehen, wer die maßgeblichen Beteiligten darin sind, welche Argumente die Akteure gebrauchen, auf welche Werte sie sich berufen und welche Visionen von Kulturlandschaft sich daraus ablesen lassen. Zusätzlich könnten Fragen nach den Mitteln und Techniken der Konfliktaustragung und Kommunikation, derer sich die Beteiligten bedienen, nach der medialen Aufbereitung und öffentlichen Rezeption des Konfliktes, der zeitlichen Dynamik und dem Verhalten der Planung, Politik und Wissenschaft in diesem Konflikt eine Rolle spielen.

Die Beiträge sollten knapp ausfallen (ca. 2 A4-Seiten) und, wenn möglich, mit einem aussagekräftigen Foto versehen sein. Wir werden uns bemühen, in nächster Zukunft ein Wiki einzurichten, so dass für alle Beteiligten die Möglichkeit besteht, den Fortgang der Sammlung zu verfolgen und zu kommentieren. Beim nächsten Treffen der Arbeitsgruppe wird das gesammelte Material vorgestellt und auf seine weitere Entwicklung bzw. Bearbeitung hin diskutiert.

3. Materialsammlung Kunst und Landschaft

Dem Vorschlag eines IALE-Mitgliedes folgend, für die Bearbeitung kulturlandschaftlicher Diskurse die Zusammenarbeit mit Künstlern zu suchen, wird hiermit eine „Materialsammlung Kunst und Landschaft“ (MKL) vorgeschlagen, die dazu dienen soll, eine solche Kooperation vorzubereiten.

Landschaft bildet für viele Künstler einen wichtigen Gegenstand, gleichwohl sind nicht alle künstlerischen Arbeitsweisen geeignet, eine aktive Beziehung zu kulturlandschaftlichen Diskursen oder gar zu Problemen der Landschaftsökologie herzustellen. Oft wird Landschaft lediglich als Natur angeschaut, nicht als angeeigneter und mit Widersprüchen behafteter Raum. Die sozioökonomischen Dimensionen der Landschaft werden vielfach ausgeblendet – ein Umstand, der möglicherweise eine gewisse Ähnlichkeit mit naturwissenschaftlichen Zugängen zur Landschaft aufweist. Die landschaftsbezogene und landschaftsökologische Forschung sollte von sich aus prägnante und einsichtige Spannungsfelder definieren, die für die ästhetische Produktion von Interesse sein können.

Wie beim „Katalog kulturlandschaftlicher Konflikte“ erscheint uns ein Wiki als geeignete Form für eine solche Materialsammlung, da die Beiträge so von allen Interessierten eingesehen und ergänzt werden können. Folgende (getrost knappe) Beiträge sind erwünscht:

  • Steckbriefe über Künstler, die für eine Kooperation infrage kommen (Vita, Arbeiten, Techniken,
  • Steckbriefe über Institutionen und Kunstprojekte, die in die hier beschriebene Richtung weisen (auch kritische Reflexionen sind erwünscht, weil sie die Fragen schärfen),
  • Verweise auf Publikationen zum Thema „Landschaft und Kunst“ bzw. knappe Schilderungen publizierter Positionen
  • Skizzen prägnanter, für eine ästhetische Auseinandersetzung fruchtbarer Themen aus kulturlandschaftlichen Diskursen sowie prädestinierter Forschungsfelder der Landschaftsökologie.

Beim nächsten Treffen der Arbeitsgruppe wird das gesammelte Material vorgestellt und auf eine Kooperationsveranstaltung mit Künstlern hin ausgewertet.

Kenneth Anders, Astrid Artner und Lars Fischer

Kommentieren

Comment moderation is enabled. Your comment may take some time to appear.